×
☰ Menü

VEREIN DER FREUNDE UND FÖRDERER DES KLOSTERS DOBERAN E.V.

• ARCHIV 2015 •

23.10.2015

Klosterbaukunst in neuem Licht

„Klosterbaukunst in neuem Licht“ ist der jüngste Titel – und Band 6 - der Convent-Reihe, die der Klosterverein Doberan herausgibt und die sich mit der Geschichte des Klosterwesens in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. In vier Beiträgen von anerkannten Fachleuten werden weitere Erkenntnisse über Bauten des Klosters Doberan sowie deren Geschichte und Ausrüstung vorgestellt, die kürzlich vorgenommene Untersuchungen und Grabungen ergaben. Unter anderem wird anhand zahlreicher Indizien die Baugeschichte des Münsters ein wenig anders beurteilt. Dazu werden sowohl bauliche Befunde als auch umfangreiche urkundliche Informationen genutzt. In einem anderen Beitrag werden die Erstausstattung des Doberaner Münsters in ihrem hohen europäischen Rang gewürdigt und ihr liturgischer Gebrauch ausführlich beschrieben. In den letzten Jahren führten Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege im Klosterbereich Doberan aufgrund von Tiefbaumaßnahmen archäologische Untersuchungen durch. Die wichtigsten Ergebnisse daraus werden ebenfalls im Convent-Heft Nr. 6 erläutert. Der reich illustrierte Band umfasst 160 Seiten und kostet 14,80 Euro. Eine zweite Publikation „Kloster Doberan unter Dach und Fach“ stellt auf 40 Seiten die einzelnen Gebäude und Anlagen des ältesten mecklenburgischen Klosters vor und informiert darüber, was bisher schon zur Erhaltung des gesamten Klosterareals geleistet wurde, finanziell und ehrenamtlich durch den Klosterverein. Zugleich wird aufmerksam darauf gemacht, was es aber noch zu tun gibt. Vor allem geht es um das Wirtschaftsgebäude, das dringend ein neues Dach benötigt, nachdem dieses durch Brandstiftung in den siebziger Jahren in Flammen aufging. Die kostenlose Broschüre gibt viele Anregungen, wie dem Kloster geholfen werden kann – durch Spenden, Patenschaften, als Förderer und Mitglied des Vereins. Beide Titel können beim Klosterverein Doberan, Klosterstraße 1A, 18209 bestellt werden

17.07.2015 – Sabine Schulze

Neue archäologische Forschungen im ehemaligen Zisterzienserkloster Doberan
Das Doberaner Abtshaus und die östlich der Klausur liegenden Bauten

Im Juli 2013 wurden im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Kornhausumfeldes ein bisher nicht bekannter mittelalterlicher Gebäuderest und spätmittelalterliche bis frühneuzeitliche Pflasterungen freigelegt. Etwa 11 m südlich der bisher angenommenen Bebauungsgrenze östlich der Klausur wurde die Südwestecke eines um 1270/ 1280 gebauten Wohngebäudes sichtbar , dass mit einer Warmluftheizung ausgestattet war. Der Befundkomplex wurde mit einer Gesamtausdehnung von ca. 12,5 m Ost/ West x 4 m Nord/ Süd von der Archäologin Marlis Konze im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege MV baubegleitend freigelegt. Tatkräftig wurde Frau Konze bei den Freilegungsarbeiten, der Sicherung und Dokumentation durch Mitglieder des Vereins der Freunde und Förderer des Klosters Doberan e.V. unterstützt. Die Befunde wurden nach der Dokumentation wieder abgedeckt. Die bauhistorische Ansprache und Datierung erfolgte durch Dipl.-Ing. Jens Christian Holst (Hoisdorf) und Dr. Tilo Schöfbeck (Schwerin), denen herzlich gedankt sei. Die Lage und Ausstattung des mittelalterlichen Wohngebäudes legt die Vermutung nahe, dass es sich um das Abtshaus des ehemaligen Zisterzienserklosters Doberan handeln könnte. Um 1300 ist eine gesonderte Baueinheit für Abtsunterkünfte in Klöstern nicht selbstverständlich. In Doberan wird das östlich gelegene Gebäude nach Grabungen von Carl Theodor Severin 1830 und Kurt Fischer 1925/26 und daraus abgeleitete Rekonstruktionen nach A.F. Lorenz 1958 von Wolfgang Erdmann als Abtsresidenz, erbaut 1283/90 mit spätmittelalterlichen Erweiterungen, angesprochen. Lorenz ging bei seinen Forschungen davon aus, dass der Grabungsplan von 1830 die Südgrenze der Bebauung südöstlich des Münsters wieder gibt. Warmluftheizungen lösten seit dem 13. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns offene Feuerstellen ab und ermöglichten das raucharme Beheizen auch großer Räume. Es ist die dritte Warmluftheizung in einem ehemaligen Zisterzienser-Männerkloster im heutigen Mecklenburg-Vorpommern, die untersucht wurde. Die beiden bisher bekannten Heizanlagen, die besser erhalten sind als der Doberaner Befund, wurden 1926/27 im Kloster Eldena bei Greifswald und 1970 im Kloster Hiddensee freigelegt. Weiterhin wurden Scherben Gefäßkeramik (allgemein 13.-15. Jahrhundert) und roter Irdenware sowie Scherben von Ofenkacheln gefunden. Die Doberaner Scherben zeigen einen Bildausschnitt aus der Darstellung des „Jüngsten Gerichts“ oder „Weltgerichts“ und datieren vermutlich Ende 15. Jahrhundert bis um 1500, also in die Zeit des Klosters. Nach jetzigem Kenntnisstand handelt es sich um die erste Kachel mit diesem Motiv, die in Mecklenburg-Vorpommern gefunden wurde. Nach der Datierung der jüngsten Funde aus der Schuttschicht wurden die zugehörigen Gebäude und anderen Infrastrukturen wohl in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts bis um 1600 abgebrochen, also nach der Säkularisierung des Klosters im Jahr 1552. Es ist für eine weitere Klärung und wissenschaftlichen Bewertung dringend wünschenswert den Lageplan sowie die 2013 entdeckten Baustrukturen erneut mit den Schriftquellen abzugleichen. Die Ergebnisse der Grabung, durchgeführt und dokumentiert von Marlis Konze und praktisch unterstützt durch den Verein der Freunde und Förderer des Klosters Doberan e.V. sind ein wichtiger Beitrag für die weitere wissenschaftliche Erforschung des Zisterzienserklosters Doberan.
Sabine Schulze ( Dipl.Ing.Arch.)
Untere Denkmalschutzbehörde Landkreis Rostock
Mit freundlicher Zustimmung und Verwendung des Grabungsberichtes von M. Konze (2013)

Manfred Lennarz

Peter Ebsen assistiert dem Sondengänger

Susi Bork beim Freilegen der mittelalterlichen Pflasterung

Heidi Rabich beim Durchsuchen des Aushubs