Die Backhausmühle –
das große Wirtschaftshaus des ehemaligen Zisterzienserklosters Doberan


Das Kloster Doberan, das erste Zisterzienserkloster Mecklenburgs, 1172 in Althof als Taufversprechen des Fürsten Pribislavs gegründet und 1186 an den jetzigen Standort verlegt, gehört zu den bedeutendsten Klosteranlagen in Mecklenburg – Vorpommern. Die Klosterkirche, das Doberaner Münster mit seiner bedeutenden hochgotischen Ausstattung zählt jährlich etwa 170.000 Besucher und ist über die Grenzen Europas hinaus bekannt. Weniger bekannt ist, dass weitere große mittelalterliche Gebäude, wie das Kornhaus, die 1,4 km lange Klostermauer, die Ruine eines Gästehauses des Klosters und ein großes Wirtschaftsgebäude - ein Speicher mit einem Wassermühleanbau aus der Zeit um 1300 erhalten geblieben sind und gleichzeitig mit der Klosterkirche in Backstein errichtet wurden. Das große Wirtschaftshaus der Doberaner Zisterzienser wird in einer Urkunde aus dem Jahr 1350 als „Backhausmühle“ bezeichnet - eine Wassermühle mit großem Getreide- und Mehllager sowie einer angeschlossenen Bäckerei (pistrina). Die Kombination aus Mühle und Bäckerei mit dazugehörigen riesigen Speichergebäude war eine klassischen Lösung, wie Dr. Tilo Schöfbeck in seinem Bauhistorischem Gutachten 2013 nachweist. Als Vergleich führt er die Große Stadtmühle in Danzig an.
Das Doberaner Gebäude gehört mit seinen Ausmaßen zu den größten erhaltenen mittelalterlichen Wirtschaftsgebäuden des Zisterzienserordens im europäischen Raum überhaupt. Bis zu einem verheerenden Brand am 8. März 1979 war das Gebäude mit einer Gesamtlänge von ca. 62 m und einer Firsthöhe von ca. 21 m, vollständig unter Dach und trotz vielfältiger Umnutzung als „Brau- und Brennereigebäude“ im 17.Jh. bis zur Molkerei und Großküchennutzung im 20.Jh., in seiner Grundsubstanz erhalten. Der Mühlenflügel ist ein Querbau, der mit ca. 12 m Breite und 23 m Länge an die Westwand des Hauptgebäudes anschließt. Die Mühlrad-Kammer unterteilte das Erdgeschoss des Anbaus. Der Doberbach, in seiner von den Mönchen künstlich angelegten Verlängerung Wallbach genannt, fließt auf einem bis heute erhaltenen Dammbauwerk dem Mundbogen des Mühlenflügels entgegen. Bis Anfang des 20. Jh. wurde das Wasser über eine aufgeständerte Rinne aus Eichenbohle, einer sogenannten Arche, zum Gebäude geführt. Mit einer Absturzhöhe im Gebäude von ca. 4 m trieb dieses Wasser über Jahrhunderte eine ursprünglich aus mehreren oberschlächtigen Mühlrädern bestehende Anlage und bis 1957 noch eine Turbine an. Erst 1937 wurden die Wasserrechte und –pflichten von dem Betreiber der Molkerei an die Stadt Bad Doberan zurück gegeben; die große 5 Meter breite Mundlochöffnung auf der Südseite zugemauert und in der Folge die Funktion des Gebäudes als Wassermühle fast vergessen.

Funktion der Backhausmühle im Mittelalter
Vermutlich in der Zeit des 14. Abtes Segebod II.(1278 – 1283) wurde die Backhausmühle ebenso wie das benachbarte, unwesentlich jüngere Kornhaus und die „Wollscheune“, das Gästehaus des Klosters parallel mit dem Bau der hochgotischen Klosterkirche ( Dachstuhl 1296 d) errichtet. Die Giebel der Backhausmühle schmückt ein glasierter Dreipaßfries ( Kleeblattbogenfries ), ähnlich dem umlaufenden Fries an der Klosterkirche. Diese Schmuckform ist um 1280 erstmalig in der Ostseeregion nachweisbar und zeichnet bedeutende mittelalterliche Gebäude aus. Eine dendrochronologische Untersuchungen, die Dr. Tilo Schöfbeck im Zusammenhang mit einem Bauhistorischen Kurzgutachten 2013 in dem Mühlenanbau durchführte, bestätigen diese Datierung. In den 1134 erlassenen Ordensstatuten des Zisterzienserordens werden Backhäuser und Mühlen zusammen genannt. Das Backen von Brot ebenso wie das Bierbrauen gehörte zu den alltäglichen Aufgaben einer klösterlichen Gemeinschaft. Es ist davon auszugehen, dass sich in diesem Gebäude neben der Mühle die Klosterbrauerei und Mälzerei befand. Noch 1770 wird das Gebäude in einem Plan von Meinck als „Mult Boden und Mühle“ bezeichnet. In der Mälzerei wird aus Getreide Malz hergestellt: das Braugetreide wird bis zur Keimung eingeweicht und auf „Darrböden“ getrocknet. Das entstandene Malz wird geschrotet und für die Bierherstellung weiterverwendet. Die Rückstände der Maische (Treber) wurden zum Backen von Brot verwendet. Der funktionelle Zusammenhang von Brauen, Mahlen und Backen unter der Voraussetzung von fließendem Wasser ist in der Backhausmühle bis heute nachvollziehbar. Die Bedeutung dieser Mühle für das Doberaner Kloster und die sich entwickelnde Kulturlandschaft zeigt sich auch in dem Mahlzwang für die umliegenden Dörfer, der in Teilen erst Anfang des 19.Jh. aufgehoben wurde.

Von der Idee zur Revitalisierung einer fast vergessenen mittelalterlichen Klostermühle
Die Beschäftigung mit dem Zisterzienserorden und deren Klosteranlagen führt unweigerlich zu der besonders intensiven und kenntnisreichen Nutzung des Wassers und der spirituellen und materiellen Bedeutung des Wassers für die Mönche. Die Klosteranlage und die erhaltenen mittelalterlichen Wasseranlagen zu erforschen und wieder ins Bewusstsein des Eigentümers, der Stadt Bad Doberan und der Doberaner Bürger zu rücken, wurde eine Aufgabe des 1998 gegründete Vereins der Freunde und Förderer des Klosters Doberan e.V. Eine Mühlengruppe innerhalb des Klostervereins wurde gegründet und ein Workshop in der Veranstaltungsreihe AQUAnostra zum Umgang der Zisterzienser mit dem Wasser und der Nutzung der Wasserressourcen, brachte 2003 Fachleute und Akteure Vorort zusammen. Der Klosterverein bemühte sich als Grundlage für eine Revitalisierung der Klostermühle um die Erstellung einer Machbarkeitsstudie. Die Aufgabenstellung wurde dazu im Auftrag des Vereins von Wasserbauingenieur Fritz Wrase und Bauingenieur und Wassermühlenspezialist Jan Ludwig Bauditz als Zuarbeit für die Stadt Bad Doberan erarbeitet. Erste persönliche Kontakte entstanden zu dem Mühlenbauer Jochen Köhler in Buchfahrt. Zum Tag des Offenen Denkmals im September 2004 wurden von der Mühlengruppe des Klostervereins die Räume der ehemaligen Mühle im Kloster Doberan für Besucher zugänglich gemacht und für die Idee der Revitalisierung einer Wassermühle an dem mittelalterlichen Standort geworben. Kontakte und Vorträge aus anderen Zisterzienserstätten, wie dem niedersächsischen Zisterzienserkloster Loccum, regten zu weiteren Forschungen an. Im Jahr 2007 führten Gymnasiasten unter der Leitung der Wasserbauingenieure Fritz Frase und Dr. Hillinger im Rahmen eines Schülerprojektes Untersuchungen zum Umgang der Doberaner Zisterzienser mit den Naturressourcen in der Klosteranlage durch. Diese Arbeit hat unter anderem die Bedeutung der Fließgewässer für die Kulturlandschaft und die Doberaner Klosteranlage deutlich gemacht und findet sich in Schautafeln im Klostergelände wieder. Weiterhin wurde auf Anregung des Vereins 2009 an der Universität Rostock zu den Wasserrechten des Klosters Doberan durch die damalige Promovendin Manja Olschowski geforscht. Eine beständige jahrelange unterstützende ehrenamtliche Tätigkeit führte zum Erfolg und der erste Schritt für die Revitalisierung und damit Erhaltung des gesamten national bedeutenden Denkmals, der Backhausmühle des ehemaligen Zisterzienserklosters Doberan, wurde von dem Eigentümer in Angriff genommen werden. Im Jahr 2012 konnte das Planungsbüro Bauditz/ Berlin durch die Stadt Bad Doberan mit der Erstellung der Machbarkeitsstudie und weiteren Planungen beauftragt werden.

Sabine Schulze
2. Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Klosters Doberan e.V. Mitarbeiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreis Rostock

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