Die Ausstattung des Doberaner Münsters
Internationale wissenschaftliche Tagung in Bad Doberan im September 2014


Das Doberaner Münster bietet als einzige hochmittelalterliche Klosterkirche Europas die Möglichkeit, eine komplexe Kirchenausstattung in ihrer Gesamtheit zu erfahren, eingefügt in eine Architektur von kathedralem Anspruch, ausgeführt auf höchstem künstlerischen Niveau und mit sehr origineller Ikonographie. Das alles bietet heute Wissenschaftlern noch unendlich viele Möglichkeiten, Unbekanntes zu entdecken. Ursprünglich von strenger Bauordnung geprägt und in äußerster Zurückhaltung was Schmuck und Farbe betrifft, beginnt nach 1215 nach und nach eine Abweichung von dieser Strenge, wie es auch in Doberan zu sehen ist. So der internationale Experte für mittelalterliche Baugeschichte, Prof. Dr. Peter Kurmann von der Universität Fribourg in der Schweiz in seinem viel beachteten Festvortrag, dem sich dann in den vier Tagen der Konferenz rund 25 weitere Vorträge anschlossen. Die Referenten kamen unter anderem von den Universitäten Greifswald, Mainz, München, Freiburg/Breisgau, Leipzig, Bern und Groningen, von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin und vom Niedersächsischen Landesmuseum Hannover. Die Themenvielfalt reichte von zisterziensischer Spiritualität über die Fensterscheiben in Verbindung mit der Glasmalerei der Zisterzienser, die astronomische Großuhr und Skulpturen bis zur eucharistischen Mühle, Bildschnitzerei und Grabmonumenten, um nur einige Themen zu nennen. Eine solche hochkarätige wissenschaftliche Tagung hat es nach Ansicht des Kunstgeschichtlers Prof. Dr. Gerhardt Weilandt von der Universität Greifswald bisher noch nicht gegeben und man darf schon heute gespannt sein auf die Publikation – wahrscheinlich im kommenden Jahr – über diese beispiellose Zusammenkunft, die eine überaus große Resonanz fand. Es gab allein im Vorfeld über 130 Anmeldungen, und die Tagungsräume waren zumeist bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Vortrag, der von Tilo Schöfbeck aus Schwerin, soll ein wenig genauer beschrieben werden. Schöfbeck sprach über die Doberaner Münster-Ausstattung im Spiegel der Dendrochronologie und wies nach, dass das vollständig erhaltene Dach aus dem Holz der Bäume von 1292 bis 1297 gezimmert wurde, die mindesten vier bis fünf Jahre zuvor geschlagen worden waren. Zwar verfügte das Kloster selbst über große Waldbestände, doch angesichts der großen Mengen an hochwertigen Bauhölzern wurden die Bestände knapp. Verschiedentlich wurde auch Holz – mit Sicherheit über den Hafen der Hansestadt Rostock - aus nordeuropäischen Ländern importiert, wie es an verschiedenen Holzzeichen auszumachen ist. Schöfbeck führte weiter aus, dass gleichwohl das Eichenholz für die Ältäre auch eingeführt wurde, vor allem aus Pommern. Der Referent erläuterte in seinem Vortrag neue Verfahren der Holzbestimmung, vor allem durch zerstörungsfreie Untersuchungen im CT, und stellte im Einzelnen einige Holzplastiken, Kelchschrank, Hochaltar, Marienleuchter und das Chorgestühl (etwa 1292) mit seinem wunderschönen Maßwerk vor. Interessant der Corpus-Christi-Altar von 1311 aus Eiche und die Rückseite aus schwedischer Kiefer. Die gesamte Tagung, so das Resümee der Doberaner Dipl.-Architektin und Denkmalpflegerin Sabine Schulze, die wesentlich zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen hatte, war geprägt von einer fast familiären Atmosphäre, der sehr guten Organisation und dem hohen wissenschaftlichen Niveau. Internationale Forscher unterzogen das Innere der Klosterkirche einer umfassenden Analyse mit wesentlichen neuen Erkenntnissen zu Form und Funktion der Ausstattung. P.G.

Vom Kloster Doberan zum Kloster Dargun Der Klosterverein Doberan hat in seiner kleinen Publikationsreihe („Kirchen rund um das Kloster Doberan“ und „Die Zisterzienser im Kloster Doberan“) einen dritten Band unter der Federführung von Günter Rein herausgebracht mit dem Titel „Vom Kloster Doberan zum Kloster Dargun“ als eine Empfehlung auf neuen Klosterwegen zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto. Die Wegbeschreibungen 1 und 2 stammen von den Vereinsgmitgliedern Susan und Volkmar Kasulke, Axel Matrisch und von Heide und Siegfried Walter. Die Routen 3 und 4 hat Günter Rein abgefahren und er betont in seiner Einführung: „Diesem ersten Schritt sollen weitere folgen, damit bald auch für unser Land ein Klosterwegenetz entsteht mit neuen Sichten auf Geschichte, Landschaften, Menschen und Orte, und damit wir miteinander bekannt werden – im europäischen Kontext und über Ländergrenzen hinweg.“ Die Wege von Kloster zu Kloster werden exakt beschrieben, und es gibt Hinweise, zu welchen anderen interessanten Orten man einen Abstecher unternehmen kann, und es gibt einige kurze Porträts von wichtigen Personen, die in dieser Region lebten und wirkten wie etwa Möckel, Wossidlo oder Pogge. Rund 30 Kirchen auf diesen Klosterwegen, die in Wort und Bild vorgestellt werden und die viele interessante Entdeckungen möglich machen, so die anschaulichen Gewölbemalereien aus dem 14. Jahrhundert in der Dorfkirche von Petschow. Oder den beachtenswerten Schnitzaltar in der Kirche von Vilz aus dem 16. Jahrhundert. Gutes Kartenmaterial erleichtert das Wandern oder Fahren, und mit auf den Weg gab der Herausgeber Günter Rein den künftigen Pilgern den Text eines Wallfahrerliedes aus dem 12. Jahrhundert, in dem es heißt: „In Gottes Namen fahren wir, sein Hilf und Gnad begehren wir / Bewahr uns heut des Vaters Güt und unser Seel und Leib behüt. Kyrieleis.“ (Die 82 Seiten starke Publikation mit fast 100 Abbildungen ist zu bestellen über den Klosterverein Bad Doberan, Klosterstraße 1 oder ist in den Buchhandlungen und im Tourismusbüro der Stadt zu haben.) P.G.

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