Peter Ebsen assistiert dem Sondengänger


Susi Bork beim Freilegen der mittelalterlichen Pflasterung


Manfred Lennarz


Heidi Rabich beim Durchsuchen des Aushubs

Neue archäologische Forschungen im ehemaligen Zisterzienserkloster Doberan Das Doberaner Abtshaus und die östlich der Klausur liegenden Bauten

Im Juli 2013 wurden im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Kornhausumfeldes ein bisher nicht bekannter mittelalterlicher Gebäuderest und spätmittelalterliche bis frühneuzeitliche Pflasterungen freigelegt. Etwa 11 m südlich der bisher angenommenen Bebauungsgrenze östlich der Klausur wurde die Südwestecke eines um 1270/ 1280 gebauten Wohngebäudes sichtbar , dass mit einer Warmluftheizung ausgestattet war. Der Befundkomplex wurde mit einer Gesamtausdehnung von ca. 12,5 m Ost/ West x 4 m Nord/ Süd von der Archäologin Marlis Konze im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege MV baubegleitend freigelegt. Tatkräftig wurde Frau Konze bei den Freilegungsarbeiten, der Sicherung und Dokumentation durch Mitglieder des Vereins der Freunde und Förderer des Klosters Doberan e.V. unterstützt. Die Befunde wurden nach der Dokumentation wieder abgedeckt. Die bauhistorische Ansprache und Datierung erfolgte durch Dipl.-Ing. Jens Christian Holst (Hoisdorf) und Dr. Tilo Schöfbeck (Schwerin), denen herzlich gedankt sei. Die Lage und Ausstattung des mittelalterlichen Wohngebäudes legt die Vermutung nahe, dass es sich um das Abtshaus des ehemaligen Zisterzienserklosters Doberan handeln könnte. Um 1300 ist eine gesonderte Baueinheit für Abtsunterkünfte in Klöstern nicht selbstverständlich. In Doberan wird das östlich gelegene Gebäude nach Grabungen von Carl Theodor Severin 1830 und Kurt Fischer 1925/26 und daraus abgeleitete Rekonstruktionen nach A.F. Lorenz 1958 von Wolfgang Erdmann als Abtsresidenz, erbaut 1283/90 mit spätmittelalterlichen Erweiterungen, angesprochen. Lorenz ging bei seinen Forschungen davon aus, dass der Grabungsplan von 1830 die Südgrenze der Bebauung südöstlich des Münsters wieder gibt. Warmluftheizungen lösten seit dem 13. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns offene Feuerstellen ab und ermöglichten das raucharme Beheizen auch großer Räume. Es ist die dritte Warmluftheizung in einem ehemaligen Zisterzienser-Männerkloster im heutigen Mecklenburg-Vorpommern, die untersucht wurde. Die beiden bisher bekannten Heizanlagen, die besser erhalten sind als der Doberaner Befund, wurden 1926/27 im Kloster Eldena bei Greifswald und 1970 im Kloster Hiddensee freigelegt. Weiterhin wurden Scherben Gefäßkeramik (allgemein 13.-15. Jahrhundert) und roter Irdenware sowie Scherben von Ofenkacheln gefunden. Die Doberaner Scherben zeigen einen Bildausschnitt aus der Darstellung des „Jüngsten Gerichts“ oder „Weltgerichts“ und datieren vermutlich Ende 15. Jahrhundert bis um 1500, also in die Zeit des Klosters. Nach jetzigem Kenntnisstand handelt es sich um die erste Kachel mit diesem Motiv, die in Mecklenburg-Vorpommern gefunden wurde. Nach der Datierung der jüngsten Funde aus der Schuttschicht wurden die zugehörigen Gebäude und anderen Infrastrukturen wohl in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts bis um 1600 abgebrochen, also nach der Säkularisierung des Klosters im Jahr 1552. Es ist für eine weitere Klärung und wissenschaftlichen Bewertung dringend wünschenswert den Lageplan sowie die 2013 entdeckten Baustrukturen erneut mit den Schriftquellen abzugleichen. Die Ergebnisse der Grabung, durchgeführt und dokumentiert von Marlis Konze und praktisch unterstützt durch den Verein der Freunde und Förderer des Klosters Doberan e.V. sind ein wichtiger Beitrag für die weitere wissenschaftliche Erforschung des Zisterzienserklosters Doberan.

Sabine Schulze ( Dipl.Ing.Arch.)
Untere Denkmalschutzbehörde Landkreis Rostock
Mit freundlicher Zustimmung und Verwendung des Grabungsberichtes von M. Konze (2013)

 

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