Faszination Backstein / Ausstellung im Kloster zum Heiligen Kreuz Rostock

Rostock. Faszination Backstein heißt eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Rostock mit Arbeiten von Luise Hartmann (Malerei) und Dagmar Haucke-Liebscher (Keramik/Objekte). Beide Künstlerinnen haben sich seit Jahren mit diesem einzigartigen Baumaterial in ihrer eigenen Kunst beschäftigt und damit an diesen besonderen in der norddeutschen Gotik vorherrschenden „gebackenen Stein“ erinnert, wie etwa in der Bildern von Luise Hartmnann mit den Titeln wie „Speicher“, „Fraterhaus Rostock“, „Klosterhof“ oder „Hornscher Hof“, „Stadthafen“ und „Marienkirche“. Zur Erinnerung: Die Tradition des Backsteinbaus war bereits in der römischen Antike bekannt, und um 100 n.Chr. haben römische Legionäre in ihren Feldlagern bereits Ziegel gebrannt, um ihren Militärbauten (wie heute zum Teil noch sichtbar an Mosel und Rhein) eine besondere Festigkeit zu verleihen. In Nordeuropa wurde der Backstein von den aus dem Süden Europas kommenden Mönchen, die unter anderem zahlreiche Töchterklöster in Mecklenburg errichteten, eingeführt. Die Zisterzienserklöster in Doberan, Rehna und Dargun sind praktische und anschauliche Beispiele. Es entstand dafür der Backstein im Klosterformat von einheitlicher Größe, der in der offenen Form von Hand „gestrichen“ und danach in einem Meiler zwei Wochen gebrannt wurde, d.h, der eigentliche Brennvorgang dauerte drei Tage, während die übrige Zeit zum Aufwärmen und zum langsamen Abkühlen benötigt wurde. Die Bilder von Luise Hartmann machen in ihrer so variablen Farbgebung um den Ton Rot die Vielschichtigkeit dieses Materials deutlich. Ausschlaggebend dafür waren die Anteile der unterschiedlichen Minerale, so daß gelb, oliv neben braunrot, tiefrot, kirschrot in allen Nuancen zu entdecken sind. Besonders gewagt, aber imposant ist die Rostocker Marienkirche in patinagrün mit zig Abstufungen vom Dach bis zu den Grundmauern. Die Objekte von Dagmar Haucke-Liebscher bilden in ihrer klassischen Form und Struktur eine treffende Ergänzung zur Bilderwelt. Aus dem geformten und gebrannten, oft lasierten Ton und in Verbindung mit Reliefs und dem Holz der seltenen Mooreiche – das Holz dieses Baumes hat durch oft jahrhundertlange Lagerung im eisenhaltigen Moor oder Wasser seine blaugraue bis dunkelgrüne Färbung erhalten – entstanden klare, schöne Arbeiten in Anlehung an Spitzbögen, Rosetten und keramische Gefäße. Farben, Flächen und Materialität stimmen zueinander und ergänzen sich in wohltuender Harmonie. Diese Exposition passt genau in dieses, ebenfalls aus Backstein errichtete Haus aus dem 13. Jahrhundert und in den Raum, der ansonsten dem Thema Stadt und Heimat in Bildern vorbehalten ist. (Die Ausstellung ist bis zum 18. Mai 2014 zu sehen.) P.G.

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