„De Dobberanske hoff“ oder „Dat lütke Doberan“

Etwas zur Geschichte der Doberaner Klosterhöfe in den Hansestädten
„In dem südlichen Teil der Buchbinderstraße, der ursprünglichen Malerstraße, steht neben dem Postamt eine halb zerfallene Mauer. Noch sehen wir gegen Süden den glattgeformten Backstein der Rundbogen. Es ist dies der letzte Rest des vor 600 Jahren hier erbauten Stadthofes von Doberan“. So in einem Bericht im „Rostocker Anzeiger“ von 1943. Dann aber 1945 bei Kriegsende und nach den schweren Bombenangriffen auf Rostock war auch dieses Überbleibsel neben dem größten Teil der historischen Bausubstanz der Stadt nur ein Trümmerhaufen. Der Doberaner Hof gehörte einst dem Kloster Doberan, war ein mit vielen Privilegien versehenes außergewöhnliches Gebäude in der Stadt und 1263 erstmals als „Domus monarchorum de Doberan“ erwähnt.Der Klosterhof war Eigentum der Zisterziensermönche und eine wichtige Wirtschaftseinrichtung mit mehreren Häusern. Eines davon war durch Erlass des Schweriner Bischofs ab 1280 für Gottesdienste bestimmt. Der Hof war zudem mit Immunität,eigener Gerichtsbarkeit und Asylrecht ausgestattet, und wer hierher flüchtete, war vorerst sicher, so etwa wie heute in einer Botschaft. Hier hatten die Doberaner Mönche ihre Herberge, wenn sie zu Wirtschaftsgeschäften in der Hansestadt weilten und Aufträge an Handwerker vergaben, Verträge mit Patriziern und Schiffern abschlossen bzw. die eigenen Erzeugnisses wie Bier oder Korn aus den Wirtschaftsbetrieben des Klosters veräußerten. Der große Vorteil für die Mönche war dabei, dass sie für diese Geschäfte keine Steuern an die Stadt zahlen mussten. Erinnert sei zudem auch an die enge geistlich-geistige Beziehung des Klosters zu Rostock. So war der gesamte Doberaner Konvent bei der Bestätigung des Lübischen Rechts für Rostock 1218 bei der Stadtgründung dabei und hatte gleichwohl erheblichen Anteil bei der Gründung der Universität Rostock 1419 als älteste wissenschaftliche Einrichtung dieser Art im gesamten Ostseeraum. Der Doberaner Abt gehörte zum Wahlgremium für den ersten Rektor, und alle nachfolgenden Äbte bis zur Reformation und Auflösung des Klosters 1552 traten als Schlichter bei Streitigkeiten zwischen der Stadt und der Universität auf. Wie in vielen anderen Klostereinrichtungen sorgten die Mönche auf ihrem Rostocker Klosterhof für die Versorgung der Armen und boten Fremden eine sichere Unterkunft an. Wie dieser Klosterhof im Original ausgesehen hat, vermittelt eine Abbildung in der berühmten Stadtansicht „Die wahrhaftige ABCONTRAFACTUR der See- und Hansestadt Rostock des Krämers Vicke Schorler“, die in den Jahren von 1578 bis 1586 von dem jungen Rostocker gezeichnet wurde. Ein monumentales Bildwerk von fast 19 m Länge und 60 cm hoch, eine einzigartige Chronik des spätmittelalterlichen Rostock mit seinen rund 12 000 Einwohnern. Hier sind alle Tore, Friedhöfe, Kirchen, Klöster, Märkte, Ziegelhöfe, Hopfengärten, ebenso Hafen, Schiffe, Mühlen und nahezu alle Giebelhäuser farbig fest gehalten, darunter der Klosterhof. Der gesamte Gebäudekomplex und von Schorler als„Dobaranische Hoff“ bezeichnet stand auf dem heutigen Platz Glatter Aal, - zwischen dem Fraterhaus /einst Michaeliskloster, (heute Kirche und Universitätsbibliothek) und dem Kloster Sankt Johannis (nahe dem Steintor und schon lange nicht mehr existent) - war bedeutend umfangreicher, als Vicke Schorler ihn zeichnen konnte. Aber das Hauptgebäude (siehe Abbildung) mit den gotischen Zinnengiebeln verdeutlicht die imposante Größe, allein schon durch die beiden gewaltigen Dächer mit den mächtigen Schornsteinen. Kein Wunder, dass Herzog Johann Albrecht 1552 mit der Aufhebung des Klosters Doberan sofort den Doberaner Hof in Rostock für sich vereinnahmen wollte. Gleichwohl hatte die Hansestadt allergrößtes Interesse an diesem lukrativen Besitz, und so kam es zu langen Streitigkeiten und Prozessen und wechselte des öfteren Eigentümer und Eigenschaften. Im einstigen Klosterhof wurden unter anderem Fechtunterricht gegeben, Theater gespielt, Back- und Brauhaus betrieben, selbst hergestellter Branntwein ausgeschenkt, Tiere gehalten. Hier wurden fremde Soldaten untergebracht, und Handwerker spielten Karten und tranken das beliebte Starkbier. Allmählich aber verfiel der Hof mit Stallungen, Wohnungen und Wirtschaftsbereichen, und in den städtischen Akten wurde das einst so renommierte Anwesen zu den „Sauffhäusern“ gezählt. Einmal schien sich das Blatt noch zu wenden, wie die bekannte Rostocker Archivarin Elisabeth Schnitzler (1912 – 2003) in einem Beitrag berichtete, als auf diesem Gelände des Klosterhofes der Neubau einer „Geburtshülflichen Klinik“ der Universität erfolgte und ab 1859 den Namen „Herzogliche Hebammen-Lehranstalt“ erhielt. Doch in den nachfolgenden Jahrzehnten war der endgültige Verfall des gesamten Ensembles nicht mehr aufzuhalten.   Peter Gerds

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