Die 10. Klostertage in Bad Doberan - Ein voller Erfolg

Die 10. Doberaner Klostertage im September waren ein voller Erfolg. Sie wurden mit einem Konzert im Münster – LUCIS CREATOR / Schöpfungsmusik – eingeleitet und von Bürgermeister Torsten Semrau im Kornhaus eröffnet. Er erinnerte an die beachtlichen und sichtbaren Erfolge im Klosterbereich, die in jüngster Zeit zu verzeichnen waren wie etwa die denkmalgerechte Sanierung des Kornhauses und des Krauthauses, an die Arbeiten an der Doberbach-Niederung und an den Außenanlagen. Schwerpunkt der dreitägigen Veranstaltung aber war das Thema „Ein neues Dach für neues Leben“ (Geschichte, Gegenwart und Zukunft ehemaliger Klostergebäude). Dazu hatte der Doberaner Klosterverein bekannte Architekten und Bauforscher eingeladen, die neue Arbeits- und Forschungsergebnisse vorstellten. So erläuterte der dänische Architekt Finn Larsen aus Aarhus seine Vorstellungen und Erfahrungen über die Revitalisierung von Klostergebäuden oder von alten Burgen und Schlössern wie etwa St. Nikolai in Visby, das einstige Kloster Ihlow in Ostfriesland oder das Koldingshus auf der Insel Fünen. Dabei ging es um eine neue Nutzung in der alten Bausubstanz, vor allem durch teilweise oder vollständige Neubedachungen. Eine solche Nutzung wäre nach Ansicht von Finn Larsen durchaus möglich und wünschenswert für die Ruine des Doberaner Wirtschaftsgebäudes, und er unterbreitete entsprechende Vorschläge. Bedeutend weiter in der Erhaltung ist das Pauli-Kloster in Brandenburg an der Havel, wie der Architekt Prof. Dr. Karsten Westphal am Umbau der einstigen Klosteranlage zum Archäologischen Landesmuseum darlegte. Das Dominikaner-Kloster war noch vor ein paar Jahren eine desaströse Anlage, ehe der aufwendige Umbau begann, den Westphal in seinem hochinteressanten Vortrag demonstrierte - mit dem bis ins kleinste geplanten Bauablauf. Er stellte jeweils den Altbestand und das vollendete Werk in den einzelnen Klosterbereichen gegenüber, erläuterte die Zusammenarbeit mit etwa 80 verschiedenen Gewerken und überraschte seine Zuhörer mit dem gelungenen Experiment „Baustelle und Schaustelle“. Dabei wurden während der gesamten Bauphase ständig Führungen für die Bevölkerung angeboten, die sich von der Sanierung und Restaurierung eine eigenes Bild machen konnte. Bei der Besichtigung des Wirtschaftsgebäudes (und den neuen Ausstellungen) machte die Denkmalpflegerin und Architektin Sabine Schulze die Tagungsteilnehmer mit Geschichte, Gegenwart und möglicher Zukunft dieses in Norddeutschland einzigartigen Profanbaus der Zisterzienser bekannt. Anschließend stellte Dr. Tilo Schöfbeck aus Schwerin – Fachmann für Bauforschung, Archäologie und Dendrochronologie – neue Forschungsergebnisse zu Klosterbauten vor. Dazu erläuterte er einführend die Arbeiten von Karl Theodor Severin und A.F. Lorenz im 19. und 20. Jahrhundert. Schöfbeck ging unter anderem auf die intensive Bauphase von etwa 1280 bis 1310 ausführlich ein, bei dem das älteste und wohl reichste Kloster Mecklenburgs in Doberan über erhebliche Geldmittel verfügte, eine perfekte Bauorganisation vorwies und über genügend Fachleute verfügte, um in kurzer Zeit solche Bauwerke hervorbringen zu können. Er demonstrierte an Giebel- und Konsolenformen, an Farben und Größe der gebrannten Steine, an der Fugenbreite und anderen Details an die Bauabläufe zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Orten. So haben neuere Untersuchungen Hinweise darauf geliefert, dass beispielsweise das größte Bürgerhaus in Güstrow einst der Stadthof des Klosters Doberan gewesen sein könnte, der von den Zisterziensermönchen wohl 1433 gekauft wurde. Was Ingenieure und Baumeister des Mittelalter im Kloster Doberan an wirklich erstaunlichen Bauleistungen vollbrachten, das belegte Dr.-Ing. Christian Kayser aus München in seinem Vortrag. Die Klostertage endeten mit einem Gottesdienst im Münster und der sich danach anschließenden Konzeptvorstellung der Außenanlagen des Klosters, vorgetragen von Mitarbeitern des Büro Werbersinke /Landschaftsarchitekten.
P.G.

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