Grabungsbefund in der Klosteranlage – die Abteiresidenz ?

Im Juli 2013 wurden bei der Anlage einer Entwässerungsmulde, im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Außenanlagen durch die Stadt Bad Doberan in der ehemaligen Klosteranlage, Grundmauern von mittelalterlichen Gebäuden freigelegt: die Südwestecke eines Wohngebäudes, in der sich die Brennkammer einer Warmluftheizung befindet sowie ein nachträglich von Westen angebauter Arbeitsraum, von dem aus die Heizanlage bedient wurde (Gesamtausdehnung ca. 12,5 m Ost/West x 4 m Nord/Süd) , weiterhin die Fußbodenpflasterung eines zweiten westlich gelegenen Baubefundes.

Die Fundstellen befinden sich nordöstlich der ehemaligen Klausur, der Abstand vom östlichen freigelegten Bereich bis zum Althöfer Bach beträgt etwa 14 m. In der einschlägigen Literatur über das ehemalige Zisterzienserkloster Doberan, einschließlich der Grabung von Severin von 1830 und Fischer von 1925/26, sowie deren zeichnerische Zusammenfassung durch Lorenz im Jahr 1956, wird der Gebäudekomplex als Abtei bzw. Nebenanlagen zur Klausur angesprochen.

Nach dem Bericht des Valentin Lützow an den Herzog Adolf Friedrich vom 10.April 1656, werden diese Gebäude im baufälligen Bestand, „als Fürstliches Haus ,der Jungen Herrn Haus und vor diesem Abtei gewesen“, beschrieben. Die Grabungsarbeiten wurden von der Archäologin Marlies Konze M.A. im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege MV durchgeführt. Tatkräftig unterstützt wurde Frau Konze durch Helfer des Vereins der Freunde und Förderer des Klosters Doberan e.V., studentische Praktikanten, sowie durch einen ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger als Sondengänger. Nur dadurch war in dem kurzen Untersuchungszeitraum von 3 Wochen eine umfangreiche Freilegung und intensive Befundbewertung möglich.

Die Bedeutung des Befundes für die ehemalige Zisterzienseranlage Doberan ist noch nicht abschließend zu beurteilen. Der vom Klosterverein hinzugezogene Bauforscher Jens-Christian Holst aus Lübeck datiert die Mauerreste des Gebäudes um 1270/80. Er stützt sich hier auf Vergleiche mit den Backsteinformaten am Münster und Vergleichen mit der Gründungsausführung am Kornhaus und Wirtschaftsgebäude. Eine Besonderheit ist allerdings das im Verband Läufer/Binder/Läufer/Binder gesetzte Backsteinmauerwerk, dass für Doberaner Bauten dieser Zeit bisher nicht vorkommt.

Zusammen mit den Sammelbefunden wie Bleiverglasung, figürlichen Ofenkacheln, Buchschließen und der Freilegung der mittelalterlichen Warmluftheizung kann auf ein hochwertiges mittelalterliches Wohngebäude geschlossen werden. Wenn es das Wohnhaus des Abtes aus der Bauzeit des Münsters ist, wäre es nach J. Ch. Holst eine der ältesten nachgewiesenen Abtsresidenzen in einem Zisterzienserkloster. Ergänzend zu dem weltlichen Gästehaus des Doberaner Klosters, würde ein Abtshaus auch als Gästehaus für die kirchlichen Würdenträger die Bedeutung des Klosters Doberan im ausgehenden 13.und 14.Jahrhundert unterstreichen.

Ein weiteres positives Ergebnis der Grabung und Ausdruck des ausstehenden Forschungsbedarfs sind gleich drei studentische Arbeiten, die an der Humbolt Universität Berlin/ Industriegeschichte, an der Universität Halle/ Denkmalpflege und Universität Rostock/ Altertumsgeschichte zu diesem Thema angestrebt werden. Die wissenschaftliche Auswertung der Doberaner Grabungsbefunde und die Einbindung in die Baugeschichte der Blütezeit des Doberaner Zisterzienserklosters sind mit Spannung zu erwarten.

Dipl.-Ing. Sabine Schulze, Untere Denkmalschutzbehörde, Landkreis Rostock  

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