Herbstsymposium des Mühlenvereins MV
von Dirk Emmerich und Ralf Schulz
Am 24. Oktober war Bad Doberan Gastgeber des Herbstsymposions des Mühlenvereins Mecklenburg-Vorpommern. Die Veranstaltung, die turnusgemäß alle zwei Jahre ausgerichtet wird, versammelte diesmal 29 Delegierte. Der Verband zählt insgesamt 66 Mitglieder, und unsere vom Klosterverein betreute Mühle ist seit 2016 ein fester Teil davon.
Unter dem diesjährigen Motto „Kulturbauten am Wasser – Kulturlandschaft an Wassermühlen“ eröffneten der Vereinsvorsitzende Jan-L. Bauditz und Sabine Krahn-Schulze, die Vorsitzende des Klostervereins, das Symposium und hießen alle anwesenden Gäste herzlich willkommen, darunter auch den Bad Doberaner Bürgermeister Jochen Arenz.

EU-Richtlinie und Denkmalschutz
Im Einführungsvortrag widmete sich Jan-L. Bauditz den harten Rahmenrichtlinien für Kulturbauten am Wasser. Seit dem Jahr 2000 gilt die EU-Wasserrahmenrichtlinie als das ambitionierteste Gewässerschutzgesetz, dessen Schlüsselbegriff die „ökologische Durchgängigkeit“ für Wassertiere ist. Flüsse müssen demnach frei passierbar sein – stromaufwärts wie stromabwärts.
Was auf den ersten Blick durchdacht klingt, stellt die Betreiber historischer Wassermühlen in der Praxis vor immense Herausforderungen. Ute Henning vom Heimatverband MV erklärte, dass Wehren oft Fischtreppen erfordern, damit Wanderfische Hindernisse im Gewässer überwinden können. Solche Umgehungsrinnen sind jedoch extrem teuer und von vielen Betrieben kaum zu stemmen.
Hier prallen zwei Welten aufeinander: Der Denkmalschutz will das historische Ensemble aus Mühlengebäude, Wehr und Mühlengraben als technisches Kulturdenkmal für die Nachwelt erhalten, während der Tierschutz weitreichende Anpassungen fordert. Viele Betreiber fühlen sich zwischen EU-Bürokratie und strengen Auflagen schlichtweg zerrieben.
Wie drastisch sich diese Konflikte zuspitzen können, verdeutlichten zwei Praxisbeispiele:
- Wassermühle Dobbin: Oda Lührs berichtete, dass hier auf Geheiß des zuständigen Landesministeriums ein 350 Jahre alter Mühlenteich abgelassen werden soll, um eine Fischtreppe zu bauen. Der Mühlenverein schlug deutlich günstigere Alternativen vor – doch ohne Einigung wird der Streit mittlerweile über die Gerichte ausgetragen.
- Mühle Hanshagen: Detlev Krohn schilderte eine fast schon kuriose Begebenheit. Hier hatte ein Biber den Mühlenteich auf 700 Meter Länge angestaut und dem Mühlenteich das Wasser komplett genommen. Der Tierschutz wollte, dass dies so bleibt. Für Vorführungen wurde Wasser mit Feuerwehrschläuchen auf die Schaufeln gepumpt. Die überraschende Wende trat ein, als im ausgetrockneten Teich ein Schild mit der Aufschrift „Löschwasserteich“ gefunden wurde und alles noch einmal neu begutachtet wurde. So bekamen der Mühlenteich und auch die 500 Jahre alte Mühle eine neue Chance.

Die Situation in Bad Doberan
Solche fischökologischen Probleme haben wir in Bad Doberan nicht, dafür aber andere Sorgen. Nach zwei schweren Überschwemmungen in den Jahren 2011 und 2019 wurde ein umfassendes Hochwasserschutzprogramm auf den Weg gebracht. Über die Umsetzung berichtete Ute Busse vom Bauamt. Um die Stadt zu schützen, soll der natürliche Verlauf des Bollhäger Fließes wiederhergestellt und der für die Mühle so wichtige Wallbach erhöht werden, damit dieser mehr Wasser aufnehmen kann. Ein geplanter Notabfluss in der Nähe der Backhausmühle soll das Wasser im Ernstfall auf der Wiese vor der Mühle verteilen.
Aus Sicht des Klostervereins birgt dies jedoch Konflikte: Wenn Teile der Wiese geflutet werden, ist dies für Veranstaltungen wie den jährlichen Klostermarkt ein Problem, da plötzlich Marktstände im Sumpf stehen könnten. Aktuell führen der Klosterverein und das Rathaus Gespräche, um einen gangbaren Kompromiss zu finden, der den Hochwasserschutz sichert, die Mühle mit Wasser versorgt und gleichzeitig den beliebten Klostermarkt ermöglicht.
Das Symposium hat einmal mehr verdeutlicht, wie schwer es Mühlenbetreiber haben, historisches Erbe im Spannungsfeld starrer EU-Vorgaben, Naturschutzinteressen und Landesbeschlüsse zu bewahren.
