Doberaner Klostertage: Mütter & Töchter. Beziehungen der Zisterzienserklöster untereinander
von Petra Wallmann
Die Vorsitzende des Klostervereins Sabine Krahn-Schulze und die Stadtpräsidentin Katy Hoffmeister begrüßten die ca. 60 Besucherinnen und Besucher, darunter Gäste aus Amelungsborn, Dargun, Pelplin und anderen Klosterstätten.
Es folgten die Grußworte des Schirmherrn der diesjährigen Klostertage, dem Präses der Kirchenkreissynode Mecklenburg, Dr. Christoph Heydemann und des Ortspastors Volker Seyffert.

Dr. habil. Ralf Lützelschwab aus Berlin hielt das Eingangsreferat: „Mütter und Töchter- das Prinzip der Filiation im Zisterzienserorden“
Dabei zeichnete er zunächst die Entstehung des Zisterzienserordens und seine rasantes Wachstum nach. Allein von der Primarabtei Clairvaux aus kam es zur Gründung von 68 Tochterklöstern noch zu Lebzeiten Bernhards (gest. 1153), insgesamt hat Clairvaux 339 Tochterklöster und bis zum Ende des Mittelalters 530 Töchter, Enkel- Urenkelklöster hervorgebracht. In den bis dahin bestehenden Orden, wie z.B. dem der Cluniazenser war das Prinzip der Filiation nicht bekannt, wurde aber in der Folge auch dort übernommen. Das Prinzip der Filiation mit dem Instrument der Visitation hat sich aufgrund der entstehenden Netzwerkstruktur als äußerst erfolgreich erwiesen: bei wirtschaftlicher Selbständigkeit jedes Klosters und in der Vielfalt regionaler Gegebenheiten und kultureller Prägungen konnte die Einheit bewahrt werden… > weiterlesen
An die Ausführungen schloss sich der Beitrag von Landesuperintendent i.R. Carl-Christian Schmidt an. Auch er setzte bei den Bestimmungen der Carta Caritatis an. Man kann davon ausgehen, dass die Äbte von Amelungsborn und Doberan regelmäßig Visitationen durchgeführt haben. Doberan war etwa 10 Tagesreisen von Amelungsborn, 28 Tagesreisen von Pelplin entfernt. Lediglich Dargun war an einem Tag zu erreichen. Leider sind die Berichte nicht erhalten. Aber aus den Beschlüssen des Generalkapitels lässt sich entnehmen, dass der Abt des Mutterklosters bei der Abtwahl in den Töchterklöstern anwesend war und die Wahl bestätigte.
1442: „15 Gemäß dem kanonischen Recht wurde Bruder Johannes VI. Vramt, ein geweihter Profess-Mönch des Klosters Doberan unseres Zisterzienserordens, rechtmäßig zum Abt des genannten Klosters Doberan gewählt und durch den Abt des Klosters Amelungsbom (Saner von Horn) im Bistum Hildesheim, Vater Abt, am sechsten Tag vor den Iden des März des Jahres 1442 bestätigt“
Aber auch Konflikte rund um die Abtwahl in Doberan und Pelplin finden ihren Niederschlag in den Statuten… > weiterlesen
Paul Alexander Nebauer berichtete über die spektakuläre Auffindung zweier bisher unbekannter Predigten des Kirchenvaters Augustin in der Diözesanbibliothek in Pelplin mit Besitzeintrag des Klosters Doberan. Es handelt sich um zwei Predigten über Saul bei der Totenbeschwörerin von Endor aus 1. Samuel 28, 3-25. Es hat zwei Jahre gedauert bis die Echtheit der beiden Predigten durch Prof. Dr. Tornau vom Zentrum für Augustin-Forschung in Würzburg und den Prof. Dr. Dorothea Weber und Prof. Dr. Clemens Weidner bestätigt wurde. Zahlreiche national und internationale Medien- insbesondere aus der katholischen Welt- berichteten in den letzten Wochen und Monaten über diesen Fund. Wir haben hier auf der Website bereits ausführlich darüber berichtet
Paul A. Nebauer wird zu dieser Entdeckung herzlich gratuliert.
Klosterverein und Kirchengemeinde möchten die neu entdeckte Predigt des Augustin in einer Veranstaltung am 23. Januar, 11.00 Uhr festlich präsentieren. Es werden Gäste aus Wissenschaft, Politik und Kirche erwartet. Prof. Dr. Tornau Würzburg und Professor Andreas Müller, ein evangelischer Theologe aus Kiel haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.

Klosterverein und Kirchengemeinde möchten die neu entdeckte Predigt des Augustin in einer Veranstaltung am 23. Januar, 11.00 Uhr festlich präsentieren. Es werden Gäste aus Wissenschaft, Politik und Kirche erwartet. Prof. Dr. Tornau Würzburg und Professor Andreas Müller, ein evangelischer Theologe aus Kiel haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.
Wolfgang Godglück ergänzte die Ausführungen und berichtete von der Familiaritas in Amelungsborn. Dazu gehören 40 Männer, sie sich an einem Wochenende im Monat im Kloster treffen. Sie versammeln sich dann viermal täglich zum Stundengebet und lesen gemeinsam die Bibel. Der Aufnahme geht ein etwas dreijähriges Noviziat voraus. Man könnte sagen, dass diese Wochenenden so etwas wie „Kloster auf Zeit“ bilden. Für Frauen gibt es den ökumenischen Frauenkreis, der ein ähnliches Programm hat.
Die Vorsitzenden des Klostervereins, Sabine Krahn-Schulze dankte herzlich für den Besuch in Doberan und die Ausführungen.
Dann begrüßte sie Frank Hamann, den Vorsitzenden des Fördervereins Kloster-Schlosskomplex. Hamann führte durch die Geschichte des Klosters Dargun von seiner Gründung 1172 durch das Kloster Esrom über die Besiedlung durch Doberaner Mönche 1209, die Klosterauflösung, den Bau des Schlosses als Nebenresidenz, die Gründung der Ackerbauschule bis in die Nachkriegs- und Nachwendezeit. Während seines Vortrags sind Luftaufnahmen der Anlage in Dargun zu sehen…. > weiterlesen
Kc.Wincenty Pytlik berichtete aus Pelplin. Herzog Sambor II. von Pommerellen gründete 1258 ein Kloster in Pogutken als Tochterkloster Doberans. Im Jahr 1276 bezog es seinen heutigen Standort in Pelplin.
Im Jahr 1289 begann der Bau der Kirche im Stil der Backsteingotik. Wegen der großen Entfernung hatte Doberan später das Visitationsrecht an das Kloster Oliwa abgegeben. Nach der Reformation übernahm der polnische König die Schirmherrschaft über die Klöster Pelplin und Oliwa. Das hatte aber den Preis, dass der König die Äbte bestimmte. Manchmal waren diese nicht einmal Mönche. Die Kirche erhielt eine reiche barocke Ausstattung.
1824 wurde infolge der Säkularisierung durch den preußischen König das Kloster Pelplin geschlossen, 14 Mönche waren noch übriggeblieben. Die Kirche wurde Kathedrale des Bistums Kulm, seit 1992 Bistum Pelplin. Im Jahr 1829 erhielt das Priesterseminar aus Kulm im ehemaligen Klostergebäude seinen neuen Sitz, später auch ein bischöfliches Gymnasium. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Teile der Gebäude zugunsten von Neubauten für das Priesterseminar abgerissen.
Etwa 30 Weltpriester werden heute dort ausgebildet und pflegen auch die klösterliche Tradition des Psalmsingens und des Gebets.
Wincenty Pytlik gehört den regulierten Kanonikern vom Heiligen Grab an und wird demnächst einige Wochen in der Grabeskirche in Jerusalem verbringen.
Die Vorsitzende des Klostervereins dankte beiden Referenten herzlich für ihr Kommen und ihre Beiträge.
Eine Andacht von Altabt Gorka im Münster beschloss den Tag.
Am Sonntag pilgerten einige unter Leitung von Pastor Volkmar Seyffert und Gemeindepädagogin Juliane Jacobsen nach Althof. Dort fand eine Andacht statt und Martin Heider informierte kenntnisreich über die Geschichte der Kapelle

