Rosmarin – Heilkraut des Monats November

01/11/2026

von Gudrun Dietrich

Etwa 100! Kaum zu glauben, welche Schätze im Doberaner Klostergarten zu finden sind!

Einer dieser Schätze ist Rosmarin, lat. Salvia rosmarinus, der zur Gattung Salbei gehört. Der lateinische Name ros marinus bedeutet „Tau des Meeres“, Meertau. In der Literatur findet man ebenfalls die Begriffe Weihrauchkraut und Kranzenkraut, Hinweise auf die Verwendung in früherer Zeit.

Für mich war Rosmarin lange „nur“ ein wunderbares Küchenkraut, erst durch die Beschäftigung mit den „Bewohnern“ unseres Klostergartens entdeckt man deren vielfältige Verwendungsmöglichkeiten und staunt immer wieder, welche Heilkräfte der Pflanzen unsere Vorfahren schon für sich erschlossen hatten.

Im handgeschriebenen Rezeptbuch meiner Oma, sie hatte in Hamburg das Kochen gelernt, tauchten solche Kräuter wie Rosmarin, Koriander oder Gewürze wie Kreuzkümmel oder Kardamom nicht auf. Ich entdeckte sie in der Rubrik „Liebe, Phantasie und Kochkunst“ im „Magazin“. Deren Autorin, Dr. Ursula Winnington, eigentlich studierte Landwirtin und Journalistin, durfte ihren Mann auf internationale Reisen begleiten und lernte so die Küche anderer Länder kennen. Nach der Lektüre solcher Artikel stand für mich fest, so möchte ich später auch kochen und mit solchen Zutaten.

In meinem Garten sollte, so wie in unserem Klostergarten, auf jeden Fall Rosmarin stehen, ein immergrüner Halbstrauch aus dem Mittelmeerraum mit wunderhübschen hellblauen oder weißen Blüten, der durchaus auch bis zu 2m hoch werden kann.

Im Doberaner Klostergarten steht er rechts in einem Kastenbeet, hat den sonnigen Platz, den er braucht und die leicht kalkhaltige Erde, die er mag. Ich bin froh, dass er sich nach den Kapriolen des letzten Winters wieder erholt hat.

Bereits in der Antike schätzte man das aromatisch duftende Kraut mit seinen Inhaltsstoffen wie ätherisches Öl, Gerbstoffe, Flavonoide, Saponine, Harz und Vitalstoffe. Früher hat man intuitiv deren Nutzen erschlossen, heute ist er wissenschaftlich analysiert.

Während im Altertum der Pflanze auch kultische Bedeutung zukam, so wird Rosmarin 1485 eindeutig im Werk „Garten der Gesundheit“ aufgeführt, ebenso dann in den Kräuterbüchern der folgenden Jahrhunderte als Heil- und Zierpflanze. Auch Karl der Große wollte, dass Rosmarin in klösterlichen Gärten angebaut werden sollte. In den Quellen lässt sich die Beschäftigung mit diesem Heilkraut von der Antike über das Arabische und Lateinische Mittelalter und die anschließende Zeit bis in die Gegenwart verfolgen.

In der Volksheilkunde und in der Naturheilkunde weiß man um vielfältige Einsatzmöglichkeiten- Diese reichen von der inneren Anwendung als Tee bei Blähungen und zur Bildung von Magen- und Darmsaft bis zur Appetitanregung. Allerdings sollte die Dosierung mit Maß erfolgen, denn zu hohe Gaben können zu Krämpfen führen. Und Schwangeren wird generell von der Verwendung abgeraten.

Auch äußerlich kann Rosmarin verwendet werden als Badezusatz und zu Einreibungen, denn das Kraut zeigt desinfizierende und antiseptische Wirkung. Einen besonderen Stellenwert nimmt das Rosmarinöl ein. Je nach Standort der Pflanze, also vom Klima, hängt der Ölgehalt ab. Das Öl gehört zu den hautreizenden Ölen. Eingesetzt wird es gegen Bakterien, Hefen und Schimmelpilze.

Seine durchblutungsfördernde Wirkung kann bei Kreislaufbeschwerden, rheumatischen Beschwerden und Zerrungen zur Anwendung kommen, natürlich immer mit Vorsicht. Weitere Möglichkeiten bieten Badezusätze und Salben unter Beachtung der jeweiligen Konzentration.

All das erklärt fast von selbst, weshalb Rosmarin 2000 und 2011 in Deutschland Heilpflanze des Jahres war.

Den Rosmarin in meinem Garten schätze ich, streiche gern über die Triebe und verwende ihn häufig in der Küche, als Bestandteil der herbes de Provence.

Die Symbolkraft dieser hübschen Pflanze sollte aber auf keinen Fall unerwähnt bleiben! Und die Spannbreite ist groß: Die Ägypter statteten ihre Toten mit Rosmarinzweigen aus, um ihnen den Weg ins Reich der Toten zu erleichtern. Die Griechen stellten Totenkränze aus Rosmarinzweigen her. Aber ebenso war die Pflanze der Göttin der Liebe, der Aphrodite, zugedacht – rührt daher der bis heute noch in Teilen Bayerns übliche Brauch, Brautkränze daraus herzustellen? Noch eine Verwendung hat sich bis heute erhalten, nämlich der Schutz gegen Motten, indem man zwischen Kleidung und Bücher Rosmarinzweige legt.

In unserem Klostergarten können die Blüten zwischen den grünen, nadelförmigen Blättern, die an der Unterseite weißlich sind, von März bis Mai bewundert werden und mit etwas Glück bei einer zweiten Blüte im September.

Wem so eine nützliche schöne Pflanze im eigenen Garten noch fehlt, der sollte nicht mehr lange zögern, sich auch so einen Schatz zuzulegen, wie wir ihn im Klostergarten haben.