Salbei – Heilkraut des Monats Februar
von Claudia Pirch-Masloch
Selbst wenn der Doberaner Klostergarten unter einer Schneedecke im Winterschlaf verharrt – der immergrüne Salbei lugt aus der Schneemasse hervor und trotzt Eis und Schnee. Zwar haben die Blätter kurz vor der Blüte den stärksten Geschmack und die besten heilenden Eigenschaften, doch wer keinen getrockneten Salbei zur Hand hat, kann auch im Winter die guten Eigenschaften einiger Blättchen nutzen.

Wie schon seit Jahrhunderten bekannt, hat Salbei (botanisch Salvia officinalis) entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften. Die aus dem Mittelmeerraum stammende Pflanze war im Mittelalter ein wichtiger Bestandteil der zisterziensischen Klosterheilkunde und Klostergärten. Aus dem 13. Jahrhundert ist der Merksatz überliefert: „Cur moriatur homo, cui salvia crescit in horto?“, aus dem Lateinischen übersetzt: „Warum sollte ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?“. Dieser Sinnspruch geht auf die mittelalterliche medizinische Schule von Salerno in Süditalien zurück.
Bei akuten Erkältungserscheinungen wie Halsschmerzen und Husten beruhigt das Trinken von Salbeitee oder das Gurgeln mit einer Lösung die Schleimhäute. Die Pflanze enthält Antioxidantien, die das Immunsystem stärken und den Körper vor schädlichen freien Radikalen schützen. Das regelmäßige Trinken von Salbeitee kann dazu beitragen, die Abwehrkräfte zu verbessern, besonders in der kalten Jahreszeit.

Neben der heilenden Wirkung bei Erkältungserscheinungen wirkt Salbei verdauungsfördernd, krampflösend und schweißhemmend. Er ist dadurch auch in der modernen Phytotherapie eine wichtige Heilpflanze. In der Aromatherapie verbrennt man Weißen Salbei (Salvia apiana), um dadurch Räume zu reinigen oder eine entspannende Atmosphäre zu schaffen – dieser Brauch kommt aus der Tradition der indigenen Völker Nordamerikas. Der Rauch soll negative Energien vertreiben und für eine klare, beruhigende Umgebung sorgen.
Da Salbei einen sehr charakteristischen Geschmack hat, ist er besonders in der mediterranen Küche sehr beliebt, vor allem in Gerichten wie Pasta, Geflügel oder auch in Saucen. Frischer Salbei wird häufig auch in Butter gebraten, was dem Gericht eine einzigartige Note verleiht.
Um einen Wintervorrat für Salbeitee anzulegen, trocknet man die Blätter wie folgt: Kurz vor der Blüte, das heißt zwischen Mai und Juni, einige kleinere Zweige abschneiden. Zusammengebunden werden die Zweigbüschel dann kopfüber an einem trockenen, gut belüfteten Ort aufgehängt. Um die Pflanze nicht zu sehr zu schwächen, nimmt man immer nur einige Zweige und legt eine Pause bis zur nächsten Ernte ein. Es kann ein bis zwei Wochen dauern, bis die Zweige vollständig getrocknet sind. Die Blätter sollten brüchig und trocken sein, wenn man sie zerdrückt. Danach die Blätter abzupfen und in einem Glas oder einer Papiertüte aufbewahren.
Wichtig ist, dass der wärmeliebende Salbei an einem nicht zu feuchten Ort steht, denn Nässe kann zum Absterben durch Wurzelfäule führen. Er freut sich über einen durchlässigen, eher mageren Boden. An so einem Lieblingsplatz wird die Salbeipflanze über Jahre ein zuverlässiger Lieferant für den Wintertee sein oder kleine geschmackliche Tupfer beim Zubereiten von mediterranen Speisen liefern.

