Das Doberaner Münster als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“

23/04/2026

von Lothar W. Kroh und Dirk Emmerich

Der ältesten Abteikirche der Zisterzienser in Mecklenburg, dem hochgotischen Doberaner Münster, wurde dieser Tage eine ganz besondere Ehre zuteil. In einer feierlichen Festveranstaltung direkt im Münster wurde es von der Bundesingenieurkammer als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet. Dies ist eine Premiere: Bisher hat noch kein mittelalterliches Bauwerk in Deutschland diese Ehrung erfahren. Während Bauwerke wie der „Teepott“ in Warnemünde, der Flughafen Berlin-Tempelhof oder der Leuchtturm „Roter Sand“ bereits auf der honorigen Liste stehen, ist das Münster der erste Sakralbau in diesem exklusiven Kreis.

Zahlreiche Doberaner waren zu diesem Anlass im Münster erschienen, darunter auch Bürgermeister Jochen Arenz und Stadtpräsidentin Katy Hoffmeister.

v.l.n.r. Christian Pegel – Minister für Inneres, Bau und Digitalisierung , Jochen Arenz – Bürgermeister, Katy Hoffmeister – Stadtpräsidentin 

Christian Pegel, Minister für Inneres, Bau und Digitalisierung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, würdigte das Münster als technische Meisterleistung. Was vor vielen Jahrhunderten ohne moderne Hilfsmittel umgesetzt wurde, sei eine ingenieurtechnische Leistung, die gar nicht hoch genug geschätzt werden könne. Das Doberaner Münster gehöre zur „DNA des Nordens“.

Zusammen mit den Stiftern des Titels enthüllte der Minister die eigentliche Plakette, die einen würdigen Platz im Münster finden und für jedermann sichtbar sein wird.

Eine technische Meisterleistung ihrer Zeit.

Die Begründung für die Auszeichnung liest sich wie eine Hymne auf die Baukunst der Zisterzienser. Das Münster wird als Pionierbau gewürdigt, der das bis dato übliche Natursteinbausystem mit höchster Eleganz auf das neue Material Ziegel übertragen hat. Diese Ingenieurbaukunst fand wenig später auch Anwendung bei den Domen in Lübeck und Schwerin sowie den Stadtkirchen in Rostock und Stralsund – doch Doberan war hierbei der Vorreiter.

Ein lebendiges Geschichtsbuch

Der Architekt und Ingenieur Christian Kayser, der zusammen mit dem Kustos des Münsters, Martin Heider, das Buch Das Doberaner Münster – Bau | Geschichte | Kontext  verfasst hat, hielt im Anschluss an den Festakt einen vertiefenden Vortrag. Er betonte, dass das Münster mit seiner Ausstattung und den zahlreichen Befunden zu Konzeption und Realisierung ein „lebendiges Geschichtsbuch vorindustriellen Bauwesens“ darstelle.
Besonders hervorzuheben ist, dass das Münster „aus einem Guss“ gebaut wurde. Vor über 800 Jahren war dies eine enorme Leistung: Es gab kaum Konzeptabweichungen und nur minimale Korrekturen am System. Während bei Bauten dieser Größe die Gründung und die Ableitung des Horizontalschubs der Gewölbe kritisch für die Stabilität sind, lösten die Baumeister in Doberan dies souverän durch den Einsatz von Zugankern. Dies minimierte den Bedarf an aufwendigen Strebebögen erheblich. Dieses Prinzip findet sich auch im riesigen Westfenster wieder, wo eichene Querträger die backsteinerne Fassade gegen den Wind stabilisieren. Selbst das Dachgebälk zeugt von Präzision: Die Einzelteile wurden auf einem sogenannten Abbundplatz vorgefertigt und waren so passgenau, dass sie im Dach flexibel und austauschbar zusammengefügt werden konnten.

Dank an die Bewahrer

Die Auszeichnung ist ein Loblied auf die mittelalterlichen Baumeister, aber ebenso auf die heutigen Initiativen zum Erhalt des Bauwerkes. Von den Arbeiten eines Gotthilf Ludwig Möckel bis hin zum nimmermüden Einsatz des Münsterkustos Martin Heider und unseres Schwestervereins, dem Münsterbauverein: Ihnen allen gebührt ein Anteil an dieser wertvollen Würdigung.

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