Johanniskraut – Heilkraut des Monats Juli

11/06/2026

von Petra Kolbe und Claudia Pirch-Masloch

Das Johanniskraut – Sonnenlicht für die Seele

Im Doberaner Klostergarten stehen im Juni viele der Heilkräuter in voller Blüte oder sind bereits verblüht. Erst jetzt beginnt die Zeit des Johanniskrauts, welches seine sternförmigen Blüten rund um den Johannistag am 24. Juni öffnet. Johanniskraut gehört seit Jahrhunderten zu den bekanntesten Heilkräutern Europas. Sein botanischer Name lautet Hypericum perforatum – im Volksmund wird es auch „Christi Wundenkraut“, „Sonnenwendkraut“ oder „Lichtkraut“ genannt.

In den Klostergärten des Mittelalters hatte Johanniskraut einen festen Platz. Es wurde als Schutzpflanze geschätzt, über Türen gehängt oder in Kräuterbüschel gebunden. Gleichzeitig wusste man um seine beruhigende und stärkende Wirkung.

Schon Hildegard von Bingen beschrieb Johanniskraut als Pflanze gegen „düstere Gedanken“. Paracelsus empfahl: „Man solle in der Blütezeit die Pflanze am Busen tragen oder unter das Kopfkissen tun, da Gott ein großes Geheimnis in das Kraut gelegt hat.“

In Klostergärten wurde es traditionell zur Sommersonnenwende gesammelt, getrocknet und zu Öl oder Tee verarbeitet. Die Menschen glaubten, die Pflanze bewahre das Licht des Sommers für die dunklen Monate des Jahres.

Wer Johanniskraut genauer betrachtet, entdeckt viele kleine Besonderheiten. Hält man die Blätter gegen das Licht, erscheinen sie fein durchlöchert. Tatsächlich handelt es sich um winzige Öldrüsen – daher der lateinische Beiname perforatum, „durchlöchert“. Zerreibt man die Blüten zwischen den Fingern, färbt sich die Haut rötlich. Verantwortlich dafür ist der Pflanzenstoff Hypericin.

Die goldgelben Blüten wirken beinahe wie kleine Sonnenräder. Vielleicht ist es gerade diese Verbindung aus Licht, Wärme und Sommer, die dem Johanniskraut seit Jahrhunderten eine besondere Bedeutung gegeben hat.

Wirkung auf Körper und Seele: Johanniskraut zählt heute zu den am besten untersuchten Heilpflanzen Europas. Besonders bekannt ist seine Anwendung bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen, innerer Unruhe und nervöser Erschöpfung. Studien zeigen, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Krautes auf Botenstoffe im Nervensystem wirken können.

Dabei entfaltet Johanniskraut seine Wirkung nicht sofort. Wie viele pflanzliche Mittel benötigt es Geduld und regelmäßige Anwendung über mehrere Wochen. Viele Menschen schätzen gerade die sanfte, ausgleichende Art dieser Heilpflanze.

Traditionell wurde Johanniskraut aber nicht nur innerlich verwendet. Aus den frischen Blüten lässt sich das berühmte Rotöl herstellen – ein tiefrotes Öl, das äußerlich bei Muskelverspannungen, kleinen Verletzungen oder zur Pflege beanspruchter Haut eingesetzt wird. Früher durfte es in keiner Hausapotheke fehlen.

Das Johanniskrautöl: Zur Herstellung eines traditionellen Rotöls werden frische Blüten in hochwertiges Öl eingelegt und mehrere Wochen in die Sonne gestellt. Nach und nach nimmt das Öl seine charakteristische rote Farbe an. Das Öl eignet sich zur Einreibung verspannter Muskeln oder als pflegendes Hautöl. In der Volksheilkunde galt es außerdem als Mittel gegen „Nervenleiden“ und Schlaflosigkeit.

So hilfreich Johanniskraut sein kann – ganz harmlos ist es nicht. Besonders wichtig sind mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Johanniskraut kann die Wirkung verschiedener Arzneimittel beeinflussen, darunter hormonelle Verhütungsmittel, Blutverdünner oder bestimmte Antidepressiva.

Außerdem kann die Pflanze die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenlicht machen. Besonders hellhäutige Personen sollten auf Grund der phytotoxischen Reaktion intensive Sonne meiden. Verwechslungsgefahr besteht mit dem giftigen Jakobskreuzkraut.

Wie bei vielen Heilpflanzen gilt daher: Maß und Wissen gehören zusammen!

Vielleicht liegt gerade darin seine besondere Bedeutung bis heute: Johanniskraut erinnert daran, dass Heilung oft nicht laut und plötzlich geschieht, sondern langsam – wie ein Sonnenstrahl, der selbst an trüben Tagen seinen Weg findet.