Sensationeller Fund in unserem Partnerkloster Pelplin
von Dirk Emmerich
In den Beständen unseres polnischen Partnerklosters Pelplin wurden zwei bisher völlig unbekannte Predigten des berühmten Kirchenlehrers Augustinus entdeckt. Dass dieser theologische Weltschatz gehoben werden konnte, ist dem Spürsinn unseres Vereinsmitglieds Paul Nebauer zu verdanken.
Die Bischof-Jan-Bernard-Szlaga-Diözesanbibliothek in Pelplin hat die außergewöhnliche Entdeckung offiziell auf ihrer Website publiziert, ebenso wie die Universität Würzburg und das Corpus Scriptorium Ecclesiasticorum Latinorum Wien.

Die Reise zu den Wurzeln: 3.000 Fotos im Gepäck
Die Geschichte beginnt im Herbst 2023. Paul Nebauer, Leiter der Arbeitsgruppe Forschung des Klostervereins, reiste gemeinsam mit Dietmar Schulze nach Pelplin nahe Danzig. Wir haben hier im Klosterblog darüber berichtet und auch ein Interview mit Paul Nebauer dazu geführt.
Das dortige Kloster ist eine direkte Tochtergründung des Klosters Doberan. Ziel der intensiven Exkursion: Die Sichtung und digitale Sicherung originaler Doberaner Handschriften, die die Wirren der Jahrhunderte in Polen überdauert haben.
Über 3.000 Fotografien brachten die beiden von diesem Einsatz mit nach Hause. „Es war ein gelungener kurzer, intensiver und arbeitsreicher Einsatz, der eine lange Zeit der Bildbearbeitung, der Auswertung und Ausarbeitungen nach sich ziehen wird“, ahnte Paul Nebauer schon damals. Doch dass einer dieser Funde die Geschichte der Kirche und der Philosophie bereichern würde, war da noch nicht abzusehen.

Eine Vermutung gegen alle Skepsis
Beim Sichten der digitalen Kopien fiel Paul Nebauer eine ganz besondere mittelalterliche Schrift ins Auge. Auf dem Pergament aus dem 12. Jahrhundert stand sinngemäß: „Predigt des Augustinus“. Nebauer hatte sofort eine Vorahnung, dass er hier auf etwas Außergewöhnliches gestoßen war.
Er wandte sich zuerst an Experten in Rostock – doch dort stieß er auf große Skepsis; die Spur wurde nicht weiterverfolgt. Doch Paul Nebauer ließ nicht locker und kontaktierte die Universität Würzburg. Auch dort reagierte der Latinist Prof. Christian Tornau zunächst zurückhaltend. Sensationelle Funde dieser Art sind extrem selten. Handelte es sich um ein Plagiat? Oder um eine fälschliche Zuschreibung, wie sie im Mittelalter häufig vorkam?
Dass die Handschrift erst aus dem 12. Jahrhundert stammt, der Kirchenvater aber in der Antike lebte, sprach nicht zwingend dagegen – schließlich wurden wichtige Texte über die Jahrhunderte hinweg immer wieder abgeschrieben und so für die Nachwelt erhalten.
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Der Durchbruch und das Interesse des Vatikans
Gut ein Jahr lang brütete der Würzburger Experte über den Doberaner Seiten aus Pelplin. Zur endgültigen Klärung zog er Clemens Weidmann vom Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum (CSEL) aus Wien hinzu. Nach akribischer Prüfung wich die Skepsis immer mehr und irgendwann war klar: Die beiden bislang unbekannten Texte sind absolut echt!
Inhaltlich geht es in den wiederentdeckten Predigten um eine theologische Auslegung einer bekannten alttestamentlichen Passage: Saul, der erste König Israels, wendet sich in seiner Not an die Hexe von Endor, um den Geist des verstorbenen Propheten Samuel heraufzubeschwören, weil Gott seine Gebete nicht mehr hört. Eine tiefsinnige Abhandlung, für die sich inzwischen sogar der Vatikan brennend interessiert. Und auch für Papst Leo XIV., der ja selbst dem Orden der Augustiner angehört und dessen theologische Gedanken immer wieder in seine eigenen Predigten einfließen lässt, dürfte dieser Fund von großem Interesse sein. Inzwischen interessiert sich auch der Vatikan für die in Pelplin gefundenen Predigten.
Für die internationale Augustinus-Forschung und für Kirchenhistoriker weltweit ist dieser Zufallsfund ein echter Glücksfall und ein enormer Mehrwert. Für Paul Nebauer und die Forschungsgruppe unseres Vereins ist es die schönste Bestätigung für jahrelange, gründliche Archivarbeit.
„Das ist eine Entdeckung, die nicht alle Jahre gemacht wird“, freut sich Paul Nebauer zu Recht. „Das kommt vielleicht so alle 15 bis 20 Jahre mal vor.“

Das Kloster Pelplin in der Nähe von Danzig in Polen.