Einblick in die Geschichte: Großer Andrang beim Vortrag zum Doberaner Münster
von Petra Wallmann
An die 100 Besucherinnen und Besucher, darunter Vertreter und Vertreterinnen der Stadt Bad Doberan, der Denkmalpflege und des Kirchenkreises, waren am Donnerstag auf Einladung des Klostervereins und Münsterbauvereins gekommen, um Heiders Ausführungen über „Die Ausstattung des Doberaner Münsters in den frühneuzeitlichen Quellen“ zu folgen. Heidrun Boettcher aus dem Vorstand des Münsterbauvereins begrüßte die Gäste, Sabine Krahn-Schulze, die Vorsitzende des Klostervereins, führte in das Thema ein und würdigte die Arbeit von Martin Heider in den 25 Jahren seines Dienstes am Münster.

Seine mit langem Atem über Jahre hinweg betriebenen Recherchen in den Archiven förderten immer wieder interessante Neuigkeiten zutage. Eine wichtige Quelle bildete das Inventar im Zuge der Klosterauflösung von 1552, in dem auch die Kleinodien aufgeführt werden, die sich im Hochaltar befanden, neben vielen Leuchtern und den Kelchen auch Reliquien wie z. B. „S. Nicolaus handt mit silber beschlagen, daran S. Niclaus tzahn“ und 27 Totenköpfe. Was mit den Reliquien geschah, ist unklar. Wurden sie nach Spanien verkauft oder vergraben? Noch 1774 fand man im Stirnreif der Maria zwei in Seide gewickelte Knochen.
Weitere Inventare von 1553 führen wertvolle Messgewänder auf; häufig waren sie mit dem Wappen der Herzöge versehen. Aus dem Ausgabe- und Einnahmebuch des Dominialamtes lässt sich ersehen, dass auch im Zuge des Transformationsprozesses vom Kloster zum Dominialamt nach 1552 regelmäßig Gottesdienste stattfanden und Unterhaltungsmaßnahmen am Gebäude durchgeführt wurden. 1578 erfolgte eine Instandsetzung des Münsters durch Herzog Ulrich von Güstrow. Dafür wurden erhebliche Mittel aufgewandt. 1586 wurde die Renaissancekanzel eingebaut, deren Corpus heute zum Bestand der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern zählt.
Veränderungen im Kirchenraum über die Jahrhunderte
Es wurden auch Emporen in die Kirche eingezogen. Insbesondere als Herzog Karl Leopold ab 1713 im Schloss in Doberan residierte und die Kirche als Hofkirche genutzt wurde, waren Emporen für den Herzog und seine Familie und für die Dienerschaft erforderlich. Später gab es auch eine Empore speziell für die Badegäste.
Im Zuge der Jahrhunderte veränderte sich die Position des Kreuzaltars. Um 1713 wurden die Altarretabel vom Triumphkreuz getrennt und vor dem Westfenster platziert; dadurch wurde die Teilung des Kirchenraums aufgehoben. Das Kreuz selbst folgte um 1840. Erst im Zuge der Generalrestaurierung erhielten Retabel und Triumphkreuz Anfang der 1980er Jahre wieder den alten Platz.
Auch der Hochaltarbereich erfuhr im Zuge der Jahrhunderte zahlreiche Veränderungen. Auf die gemauerte Chorschranke wurden um 1585 neu gemalte Bilder der Fürsten gesetzt, auch das Fürstenepitaph von 1583 befand sich dort.
Es gibt schriftliche Belege dafür, dass zur Zeit der Auflösung des Klosters bereits eine Orgel vorhanden war. Im Inventar von 1811 ist dann eine Orgel mit zwei Manualen und Pedal von 1608 aufgeführt, die Vorgängerin der Frieseorgel von 1860.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Kirche in einem erbärmlichen Zustand, die Kirchenbesucher saßen förmlich „im Nassen“.
Die astronomische Uhr hing bis zum Einbau des Hauptportals in der Mitte des 19. Jahrhunderts an der Südwand des Südquerhauses und war mit einer Schlagglocke verbunden. Danach kam sie an die Westwand des Querhauses und durch Möckel an den heutigen Standort an der Westwand des Südseitenschiffs.

Wer sich für weitere Details hinsichtlich der Veränderung im Innenraum der Kirche interessiert, dem sei sein Buch „Die Ausstattung des Doberaner Münsters in den frühneuzeitlichen Quellen“ empfohlen.
Ein rundes Jubiläum und eine stolze Spendensumme
Nach dem Dank an den Referenten waren die Besucherinnen und Besucher anlässlich des 25-jährigen Dienstjubiläums von Martin Heider zu einem Glas Sekt oder Saft eingeladen. Für die Restaurierungsarbeiten am Deckengewölbe im Südquerschiff kam an diesem Abend die ansehnliche Spendensumme von 770 Euro zusammen, wodurch sich die Gesamtspendensumme für die Gewölbesanierung seit Sommer 2022 auf über 204.000 Euro erhöhte.