Bautagebuch, Update Juni

04/07/2026

von Dirk Emmerich

Bei den Arbeiten an der Darre wurde ein faszinierender Fund gemacht: ein Ziegelstein mit einem menschlichen Fußabdruck. Kulturhistorisch ist dies ein bemerkenswertes Zeugnis der Bauarbeiten im 14. Jahrhundert.

Backsteine wurden damals in aufwendiger Handarbeit direkt vor Ort oder in unmittelbarer Nähe der Baustelle hergestellt; sie waren extrem wertvolle Baumaterialien. Der feuchte Ton wurde in hölzerne Rahmen gepresst, glattgestrichen und musste vor dem Brennen wochenlang an der Luft trocknen. In dieser Phase ist vermutlich ein Malheur passiert, als jemand unvorsichtig über die Trockenfläche lief. Manchmal wurden solche Abdrücke jedoch auch mit Absicht als sogenannter „Feierabendstein“ beim letzten Tagwerk hinterlassen. Im mittelalterlichen Volksglauben sollten diese Zeichen ein Gebäude vor Blitzeinschlag und Feuer schützen.
Rückwirkend lässt sich das Geheimnis zwar nicht mehr lückenlos aufklären, aber eines steht fest: Wir überlegen bereits intensiv, wie und wo wir diesen besonderen Stein künftig im Wirtschaftsgebäude präsentieren, um dieses greifbare Stück Geschichte für unsere Besucher zugänglich zu machen.

Sichtbare Fortschritte in der Eingangshalle
Die Eingangshalle vom Kornhaus her lässt inzwischen erahnen, wie prachtvoll das Ensemble nach der Fertigstellung aussehen wird. Am Ende der Halle – am Übergang zur Backhausmühle – nimmt auch die geplante, torförmige Öffnung Gestalt an. Auf der rechten Seite ist der Rahmen bereits deutlich erkennbar. Sobald die linke Seite in den nächsten Wochen die gleichen Proportionen annimmt, wird vom Haupteingang aus ein direkter Blick bis hin zur Backhausmühle möglich sein.

Eine ungeplante Herausforderung im Erdgeschoss
Im Raum unterhalb der Gewölbehalle stehen wir vor einer neuen, unerwarteten Aufgabe. Wir hatten bereits berichtet, dass hier an einer Stelle asbesthaltige Pappe entdeckt wurde. Inzwischen erhärtet sich die Vermutung, dass dieses Material in den 1950er Jahren im gesamten Unterboden des Raumes verbaut wurde. Zu allem Überfluss enthält diese Pappe krebserregende, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).
Das bedeutet: Der gesamte Boden muss tiefgründig ausgebaut werden, um die Pappe vollständig zu entfernen und als gefährlichen Spezialabfall aufwendig zu entsorgen. Diese Maßnahme hatte niemand auf dem Zettel; nach ersten Schätzungen wird sie mehrere zehntausend Euro kosten. Die Pappe einfach im Boden zu belassen und zu versiegeln, ist aus gesundheitlichen Gründen keine Option.

Neues von der Darre
Zurück zur Darre, dem Fundort unseres „Feierabendsteins“: Hier laufen die Restaurierungs- und Wiederaufbauarbeiten voll auf Touren. Neben dem Fußabdruck verraten uns die Steine noch mehr aus der Geschichte: Deutliche, tief sitzende Rußschwärzungen machen immer klarer, dass in diesem Bereich seinerzeit intensive Räucherarbeiten stattgefunden haben müssen.
Erfreuliche Nachrichten gibt es auch von der Natur: Eine alte Wurzel, die tief mit dem historischen Mauerwerk verwachsen war und über die wir vor einem Jahr berichteten, konnte inzwischen sehr sorgsam und fast vollständig entfernt werden. Das Architektenbüro A&P Wismar und der Bauhof Dorsch haben das gut gelöst.

Noch im Laufe dieses Jahres soll die Darre wieder eine Decke erhalten. Ob es eine Stahlbeton- oder eine Gewölbedecke wird, entscheidet sich derzeit in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege sowie unter Berücksichtigung von Kosten und Zweckmäßigkeit. Langfristig sieht der Plan vor, hier einmal ein Skriptorium unterzubringen. Das ist im Moment aber noch Zukunftsmusik für den zweiten Bauabschnitt.

Zur Finanzierung
Die Stadt ist weiterhin mit tatkräftiger Unterstützung des Klostervereins aktiv dabei, die bestehende Finanzierungslücke von über einer Million Euro für den ersten Bauabschnitt zu schließen. Spruchreife Neuigkeiten gibt es im Augenblick zwar noch nicht – aber wir bleiben dran.

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