Ringelblume – Heilkraut des Monats August

03/08/2026

von Gudrun Dietrich

Ringelblumen leuchten wie kleine Sonnen!

Etwa 100! Kaum zu glauben, welche Schätze im Doberaner Klostergarten zu finden sind! Setzt man sich auf die kleine Rasenbank gleich rechts vom Eingang, so liegen all diese Schätze vor einem –prachtvoll blühend, üppig grün in den unterschiedlichsten Farbabstufungen. Der Blick kann von der Minze links über die Königskerzen schweifen oder rechts bei den leuchtend blauen Blüten des Borretsch verweilen.

Setzt man sich auf die kleine, bescheidene, leicht verwitterte Bank im hinteren Teil des Gartens, so hat man im Sommer den prächtig blühenden Lavendel vor sich, der vor der gerade erfolgten Blütenernte ein Genuss für die Nase war. Auch die Rosen sind nun verblüht und bereits zurückgeschnitten, aber Anziehungspunkte für die Augen gibt es genug!

Denn einer der Schätze unseres Klostergartens sind die Ringelblumen (Calendula officinalis) oder auch gewöhnliche Ringelblume oder Gartenringelblume. Sie leuchten wie kleine Sonnen!

Die Bedeutung dieser aus Südeuropa bzw. dem Orient stammenden Pflanze lässt sich schon daraus erkennen, dass sie vom aus Griechenland stammend und in Rom praktizierenden Arzt Galen in der Antike erwähnt wird. Karl der Große ließ sie in der Pflanzenliste des ,,Capitulare de villis“ aufführen und durch Hildegard von Bingen wurden ihre Verwendungsmöglichkeiten in der Heilkunde aufgezeigt. Diese fanden natürlich ihren Platz in der Volksmedizin.

Die Ringelblume aus der Familie der Korbblütler findet so ihren Platz in vielen Gärten auf dem Land, manchmal verwildert auf Brachflächen, aber auch auf Feldern zur Nutzung für die pharmazeutische Industrie.

Es ist eine einjährige Pflanze, die 30-60 cm hoch werden kann. Die orangen und gelben Blüten, etwa 4-5 Tage blühend, leuchten von Juni bis Oktober. Die Stängel sind verästelt und pelzig behaart. Zur Nutzung werden die zungenförmigen Blütenblätter aus den Blütenkörbchen gezupft, manchmal wird jedoch auch die komplette Blüte verwendet. Da sie als Wundkraut gilt, wird dieses Auflegen als schnelle Lösung für Schnittwunden, kleine Schürfwunden oder leichte Verbrennungen genutzt. Sie wirkt entzündungshemmend, fördert die Wundheilung und lässt Keimen keine Chance.

Bei schlecht heilenden Wunden rät man, die Pflanzenteile zuvor in etwas Öl zu dämpfen, denn das enthaltene Kalendulin ist fettlöslich, ebenso in Essig und Alkohol. So lassen sich Tinkturen selbst herstellen oder aus der Apotheke beziehen. Diese Tinktur kann auch innerlich angewendet werden.

Für die Grundausstattung der Hausapotheke für Notfälle zählt Ringelblumensalbe zu den wichtigsten Hausmitteln, denn die Heilpflanze enthält unter anderem ätherische Öle, Harz, Saponine, Mineralsalze und Salizylsäure.

Sie wird mit Arnika verglichen, soll dieser Pflanze aber an Heilkraft überlegen sein – die Anwendungsbreite spricht für sich: Teeaufguss, Sitzbäder, Waschungen, Tinkturen, Salbe, Frischsaft.

Die Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten dieser bescheidenen hübschen Pflanze erstaunt wahrhaftig!

Im Mittelalter wurden die Blütenblätter z. B. auch als Gewürz beim Kochen und als Farbstoff für Käse, Butter oder Kuchen eingesetzt – Safran war zu teuer!

Für uns heute geben die Blüten Reisgerichten, Suppen, Fleisch – oder Fischgerichten Farbe und Aroma, man kann sie als essbare Blüten zur Dekoration von Salaten oder Süßspeisen einsetzen.

Ringelblumen lassen sich leicht aussäen bzw. erledigen ihre Verbreitung gern auch selbst. Denn aus den weiblichen fruchtbaren Zungenblüten am Korbrand der Blüte entwickeln sich die Schließfrüchte (Achänen). Diese können sehr unterschiedlich geformt sein, von geflügelt über sichelförmig bis hübsch geringelt.

Aber, selbst wie kleine Sonnen leuchtend, brauchen die Pflanzen einen sonnigen Platz. Den haben sie bei uns im Klostergarten!

Wenn die Besucher der Doberaner Klosteranlage all ihre Eindrücke verarbeiten wollen, einen Moment der Ruhe brauchen, ein wenig abtauchen möchten in Stille und Natur, dann wird gern der Weg in unseren Klostergarten gewählt. Und rechter Hand, mittig im Garten, steht eine dritte Bank. Sie gibt einen kleinen Blick frei auf das Münster und einen großen Blick auf einen Teil unserer Pflanzenschätze im Garten.