Alant – Heilkraut des Monats September
von Christian Grosche
Meine erste Erinnerung an den „Echten Alant“ ist noch relativ jung: Zwar beschäftige ich mich schon viele Jahre mit Botanik, aber diese Pflanze war mir nicht bekannt. Als ich Alant im Doberaner Klostergarten kennenlernte, war ich beeindruckt von der Größe von etwa zwei Metern, den gewaltigen Blättern und den schönen leuchtenden Blüten, die wie kleine Sonnen wirken.
Aus Wikipedia erfährt man, dass der Echte Alant im Deutschen eine Reihe von anderen Namen trägt, wie z. B. Altkraut, Brustalant, Darmkraut, Edelwurz, Glockenwurz, Helenenkraut, Odinskopf und Schlangenkraut, was schon andeutet, welche Heilwirkungen dieser Pflanze zugeschrieben wurden. Inula helenium wurde 1758 von Carl von Linné beschrieben.
Die Vermehrung ist einfach – man kann Alant aus Samen vermehren, aber es reicht auch aus, ein abgebrochenes Wurzelstück einzugraben. Im Folgejahr wachsen dann aus diesem Wurzelstück zuerst die Blätter und dann der Blütentrieb. Die Pflanze mag es gerne im Halbschatten mit Feuchte, obwohl sie eher im südöstlichen Mittelmeerraum und Kleinasien mit warmem, trockenem Klima heimisch ist.

Der Artname „Helenium“ der Gattung „Inula“ suggeriert einem, dass diese Pflanze etwas mit Griechenland zu tun hat: Die Griechen sind die Hellenen bzw. Griechenland ist gleich Hellas (Ελλάς). Allerdings spielt der Name eher auf Helena, Tochter des Zeus und der Leda, einer Sterblichen, an: In der Legende des Paris, Sohn des Königs Priamos von Troja, war sie die Frau von Menelaos, dem König von Sparta. Im Wettstreit, welche die schönste Göttin sei – Hera, Athene oder Aphrodite –, wählte Paris Aphrodite und gab ihr einen goldenen Apfel, woraufhin sie ihm Helena als schönste Frau der Welt versprach.
Nach einer anderen Version soll Inula helenium dort gewachsen sein, wo Helenas Tränen den Boden benetzten. Wieder eine andere Version sagt, dass sich der Name der Pflanze von einer griechischen Vegetationsgöttin, der Helénē, herleitet.
Der Echte Alant gehört zu der Pflanzenfamilie der Korbblütler oder Asteraceae. Diese Familie umfasst etwa 1.600 bis 1.700 Gattungen mit etwa 24.000 bis 30.000 Arten. Sie ist somit die Pflanzenfamilie mit den meisten Arten, gefolgt von den Orchideengewächsen mit etwas weniger Gattungen und Arten.
Die Gattung Inula umfasst etwa 100 Arten, von denen einige auch in Deutschland wachsen, z. B. der Wiesen-Alant (Inula britannica) in Feuchtwiesen, der Weiden-Alant (Inula salicina) und der Behaarte Alant (Inula hirta) auf Trockenwiesen auf eher kalkhaltigen Böden.
Erkennen kann man den Echten Alant einmal an seiner Größe (etwa 2 Meter, die anderen Arten in Deutschland sind nur etwa bis 50 cm groß), den großen Blättern (Länge 40 bis 80 cm) und an einem Stängel, von dem ein reichhaltiger Blütenstand abgeht. Die Blüten selbst haben die typische Form der Korbblütler wie Echinacea, Sonnenhut, Sonnenblumen oder Topinambur. Die Strahlen der Außenblüten sind relativ dünn und gelb und umfassen die eigentlichen fruchtbaren Blüten in Form eines Körbchens. Die Pflanze blüht von Juni bis September, ist also eine Sommerblühpflanze.

Die Wurzel des Alant (Droge: Helenii radix bzw. Helenii rhizoma, der Alantwurzelstock) ist das relevanteste Heil- und Gewürzmittel. Sie ist ausdauernd, dick fleischig, riecht aromatisch und enthält u. a. Inulin, ein Kohlenhydrat, das heutzutage als präbiotischer Zusatzstoff Verwendung findet.
Des Weiteren enthält die Droge eine Reihe von ätherischen Ölen und Bitterstoffen. Früher fand die Wurzel aufgrund ihres bitteren, harzigen Geschmacks Verwendung als Gewürz für Süßspeisen und Magenbitter. Kandierter Alant galt lange Zeit als Leckerbissen. Da viele Menschen auf Alant mit Allergien reagieren, findet Alant in dieser Form jedoch fast nur noch in Likören Verwendung. Die Alantwurzel ergibt mit Pottasche und Urin einen blauen Farbstoff.
Bei antiken Ärzten wurde „Helenion“ gegen Husten, Krämpfe und Magenschwäche empfohlen und sollte auch bei Blutspucken helfen. Im slawischen Sprachraum wurde Alant als Hustenmittel genutzt. In der mittelalterlichen Heilkunde und in der Volksmedizin war Alant bzw. die „Alantwurz“ ebenfalls sehr beliebt und wurde bei Leiden wie Bronchialkatarrhen, Husten, Blähungen, Harnverhalten, Magen-Darm-Beschwerden, Gelbsucht und Würmern verwendet.
Eine Salbe aus Alantwurzel und Schweineschmalz wurde äußerlich gegen Krätze, Geschwüre und Ekzeme benutzt. Wunden und Geschwüre können mit frischen Alantblättern behandelt werden. In Siebenbürgen und im Spreewald wurde der Alant bei Brustbeschwerden wie Tabak geraucht. In Moldawien wurde Alant bei Brustschmerzen, Husten und Atemnot verwendet.

Jedoch sieht man das heutzutage anders: Laut der Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA) können die enthaltenen Öle und Bitterstoffe zu allergischen Reaktionen, Überempfindlichkeiten und Kreuzreaktionen mit anderen Drogen führen; somit können größere Mengen Erbrechen, Durchfall, Krämpfe und Lähmungen zur Folge haben. Außerdem ist die medizinische Wirkung der Droge, i. e. Helenii radix, nicht ausreichend belegt.
Das BGA bewertete insgesamt den medizinischen Nutzen von Alantwurzel 1988 als negativ.
Nebenbei bemerkt: Es ist in der Botanik allgemein bekannt, dass ätherische Öle und Bitterstoffe als Abwehrmechanismen gegen Fressfeinde dienen. Nur in bestimmten Fällen sind sie in korrekter Dosierung verträglich und wirksam, und das auch nicht für alle Menschen. Ein anderes bekanntes Beispiel dafür sind die Fingerhutpräparate (Droge: Digitalisglykoside u. a. Digitoxin vom Roten Fingerhut: Digitalis purpurea; Digoxin aus dem Wolligen Fingerhut: Digitalis lanata), die früher gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt wurden, aber ansonsten hochgiftig sind (Zwei Blätter ergeben oral aufgenommen eine tödliche Dosis).
Zum Ende des Sommers können wir vielleicht noch einige Alantblüten im Doberaner Klostergarten oder die Samenkapseln bewundern – die Hauptblütezeit ist leider vorbei.