Bautagebuch November

29/11/2025

von Dirk Emmerich

Es ist kalt geworden – und auf den ersten Blick wirkt es ruhig auf der Baustelle.

Es liegt ein bisschen Schnee, nachts war es unter den Gefrierpunkt, mühsam klettert das Thermometer über die null Grad. Dazu pfeifft ein kalter Wind.
Die Außenarbeiten sind fast vollständig eingestellt. Lediglich im Treppenbereich stehen in den kommenden Tagen noch einige Restarbeiten an, bevor auch dieser Bereich winterfest gemacht wird.

Die Arbeiten an den ersten Arkaden – darüber haben wir das ganze Jahr hinweg im Bautagebuch berichtet – sind inzwischen vollständig abgeschlossen. Hier sind nun echte Referenzbereiche entstanden, an denen sich alle weiteren Arkaden der Großen Halle orientieren, die sich in Richtung Münster erstrecken.

Bevor wir aber auf die nächsten Schritte im Frühjahr blicken, richten wir den Fokus zunächst nach innen. Denn wie in jedem Winter verlagern sich alle Aktivitäten ins Gebäudeinnere, sobald die Witterung keine Arbeiten draußen mehr zulässt.
Im hohen Eingangsbereich des Kornhauses – dem Großen Foyer – hat sich in den letzten Wochen viel getan. Das große Baugerüst, das zur Fixierung und Sanierung des Gewölbes notwendig war, ist bereits seit einiger Zeit abgebaut. Nun konzentrieren sich die Arbeiten auf die Trennwand zwischen dem Großen Foyer und der Backhalle.

Zwei versetzte Fachwerkwände – und eine elegante Lösung

Diese Wand besteht aus mehreren eigenständigen Abschnitten, die jeweils gesondert betrachtet und bearbeitet werden müssen. Der untere Bereich wird erneuert; hier ist bereits ein Durchbruch Richtung Backhalle sichtbar. Dort werden später einmal Fenster eingesetzt – darüber hatten wir im Sommer bereits berichtet.

Auf Höhe der ersten Etage beginnt ein anderer Wandbereich aus Fachwerkmauerwerk. Auf den ersten Blick kaum erkennbar, stehen hier zwei Fachwerkwände, die nicht übereinander, sondern leicht versetzt zueinander angeordnet sind.
Man könnte einer der beiden Wände zurück- und dann wieder aufbauen, so dass sie tatsächlich übereinanderstehen. Die Denkmalschützer waren davon wenig begeistert. Ihnen geht es stets darum, möglichst viel historische Substanz zu erhalten. Architekt Renee Kunz hatte aber eine bessere Idee, die jetzt auch umgesetzt wird. Zwischen die beiden leicht versetzten Wände kommt jetzt eine dünne, aber robuste Scheibe aus Glas. Die übernimmt zum einen eine statische Funktion und stabilsiert die beiden leicht versetzten Wände. Zum anderen kann man das „Gefache“ (die Ständer, Riegel, Streben und die Zwischenräume – also das, was die Fachwerkbauweise auszeichnet) weiter von beiden Seiten sehen. Unten ist das „Gefache“ direkt sichtbar, oben durch die Glaswand – und auf der jeweils anderen Seite umgekehrt. Am Ende entsteht hier eine doppelte Fachwerkwand mit einer stabilisierenden und optisch reizvollen Glaswand dazwischen.

Auch in der Backhalle, dem großen Raum hinter dem Großen Foyer, gehen die Arbeiten gut voran. Über die Entwicklungen dort werden wir im kommenden Bautagebuch ausführlich berichten.

Wenden wir uns wieder der Großen Halle zu. Von Mühlenflügel her betrachtet, wurde in diesem Jahr der erste Teil einer neuen Stahlbetondecke eingezogen. Im kommenden Jahr sollen weitere Elemente folgen, sodass wie vor dem Brand von 1979 wieder eine geschlossene erste Etage entsteht.

Historische Arkaden mit unterschiedlichen Höhen

Bis 1979 befanden sich an der Gebäudeseite Richtung Kornhaus mehrere Wohnungen, die beim Brand vollständig zerstört wurden. Sie entstanden vermutlich nach 1850. Nun zeigt die Sanierung, dass die ersten vier Arkaden – anders als alle übrigen – etwas höher „gebust“ sind, also etwas höher liegen und dadurch eine größere Durchgangshöhe haben.

Warum sie einst so ausgeführt wurden, ist unklar. Eine naheliegende Vermutung ist jedoch, dass es mit der damaligen Nutzung dieses Gebäudeteils zur Getreideverteilung zusammenhing.

Im Zuge der aktuellen Sanierung soll die Höhenlage nun vereinheitlicht werden. Im Bereich der früheren Wohnungen werden die Fensterbögen etwas abgesenkt. Die Ringanker müssen ohnehin erneuert werden, sodass sich diese Anpassung gut in die Gesamtarbeiten integrieren lässt. Am Ende wird eine harmonische, durchgehende Fensterhöhe vom Mühlenflügel bis zum Giebel des Wirtschaftsgebäudes Richtung Münster erreicht.

Das sind allerdings Arbeiten für das kommende – und höchstwahrscheinlich auch für das übernächste – Jahr.

-Das große Bauschild an der Festwiese wird in den nächsten Wochen demontiert und an der Außenwand der Mühle neu angebracht. Das spart die Mietkosten für das Gerüst. Und künftig wird direkt am Gebäude zu sehen sein, woran hier eigentlich gearbeitet wird – und was an dieser Stelle einmal entstehen soll.