Blick über den Tellerrand

von Lothar W. Kroh
Mitte April hat die Landesvertretung unseres Bundeslandes in Berlin zu einem „Brauereiabend“ Vertreter von Politik, Wirtschaft, Verbänden und Organisationen sowie Journalisten zu einer zwanglosen Informationsveranstaltung über das Thema „Hopfen und Heimat. Gebraut in Mecklenburg-Vorpommern“ geladen.

Sieben Brauereien aus MV – wie die Hanseatische Brauerei Rostock oder Lübzer Pils, zwei Große der Branche, aber auch einige regionale Brauereien wie die Marlower Brauerei, die Vielanker Brauerei und die Insel-Brauerei mit ihrem „World Beer Award 2025“ für das weltbeste Weizenbier in der Tasche – sind der Einladung gefolgt, um einerseits ihre Produktpalette zu präsentieren und zugleich das Interesse der vielen Besucher am Genussprodukt Bier zu wecken.
Aber was treibt unseren Klosterverein zur Teilnahme an der überaus gut besuchten Veranstaltung? Nun, der Gedankensprung vom Bier zum Kloster ist ja nicht allzu weit, denn zu den ersten und wichtigen Einrichtungen eines Klosters gehörte neben den originären spirituellen Aufgaben von Beginn an die Kunst des Backens und Brauens, so auch im Zisterzienserkloster Doberan. Wir wissen um die Existenz der ersten Brauerei im Kloster in der Nähe zum Münster und den Klostergebäuden, und wir können annehmen, dass auch im Wirtschaftsgebäude, das etwa zeitgleich mit dem Kloster entstanden ist, eine Mälzerei betrieben wurde. Archäologische Forschungen (Kennecke, Schumann 2024) sprechen gar von einer mittelalterlichen „Malzkaskade“ im Erdgeschoss, die das Weichen, Keimen und Darren beinhaltete und sich deshalb in der Nähe zur Mühle befunden haben könnte. Der eigentliche Brauvorgang wird vermutlich zuerst im Back- und Brauhaus in der Südwestecke des Kreuzgangs durchgeführt worden sein. Brot wie auch das keimarme Bier gehörten zu den wichtigen Produkten für die Armenfürsorge (vgl. Brotstiftungen), für die Nächstenliebe und für Barmherzigkeit und sind deshalb von fundamentaler Bedeutung für die Wirtschaft in einem Kloster. Im Verlauf der Jahrhunderte ist auch in der nachklösterlichen Zeit vom Brauen und später auch vom Brennen im Wirtschaftsgebäude die Rede; gebraut wurde hier bis ins letzte Jahrhundert hinein.

Vielleicht war das Treffen in der Landesvertretung auch ein Anlass, darüber nachzudenken, wie das Interesse und die Attraktivität eines Klosterbesuches bei uns in Bad Doberan durch ein entsprechendes Angebot, vielleicht mit einem Biergenuss (mit und ohne Alkohol), gesteigert werden könnte. Zumindest ist ein erstes Gespräch zwischen einer Brauerei und dem Klosterverein geplant, das im Sinne von „Win-win“ sowohl für das Kloster als auch für die Brauerei einen Benefit bedeuten würde. Ob und welcher Weg dann eingeschlagen wird, muss den Gesprächen überlassen werden.

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