Echter Baldrian – Heilkraut des Monats Mai

04/05/2026

von Rita Roßmann

Viele Menschen wollen bei Schlafstörungen oder innerer Anspannung nicht gleich zu rezeptpflichtigen Medikamenten greifen. Als natürliche Alternative bietet sich Baldrian an, dessen Wirkung wissenschaftlich hervorragend untersucht ist. Studien zeigen, dass sich durch die Einnahme von Baldrian die Einschlafzeit verkürzt, nächtliches Aufwachen reduziert und die Schlafqualität spürbar verbessert wird.
Drogerien und Apotheken bieten eine Vielzahl von Produkten an: von Baldriantropfen und -dragees über Tabletten und Tinkturen bis hin zu Baldrianpulver. Gewonnen werden all diese Präparate aus der Wurzel der Pflanze, denn nur sie enthält die wirksamen Inhaltsstoffe in hoher Konzentration.
Der botanische Name für den Echten Baldrian lautet Valeriana officinalis. Er leitet sich vom lateinischen Wort „valere“ ab, was so viel wie „gesund sein“ bedeutet. Der deutsche Name „Baldrian“ geht vermutlich auf den germanischen Lichtgott Baldur zurück, da die Pflanze von jeher als gütig und heilend galt.

Botanisches Porträt: Wie erkennt man Baldrian?
Obwohl er so bekannt ist, erkennen nur wenige Besucher im Klostergarten die Pflanze auf den ersten Blick. Der Echte Baldrian ist eine ausdauernde, krautige Staude, die in Europa und den gemäßigten Zonen Asiens heimisch ist. Sie besitzt gefiederte Laubblätter und erreicht eine Wuchshöhe von 50 bis 100 Zentimetern. Ab dem Frühsommer zeigt der Baldrian weiße bis rosafarbene, doldenartige Blütenstände, die einen angenehmen Duft verströmen.
Ganz anders verhält es sich mit der Wurzel: Sie riecht sehr intensiv und herb. Daher wird Baldrian im Volksmund auch als „Katzenkraut“ bezeichnet, denn Katzen lieben diesen markanten Geruch der Wurzel und werden von ihm fast magisch angezogen.

Nach dem schneereichen und kalten Winter 2025/2026 sprießen die Baldrianpflanzen in einem Kastenbeet des Klostergartens Doberan nun als erste Pionierpflanzen aus dem Boden und entwickeln sich bereits üppig. Wir hoffen, dass uns schon bald – von Ende Mai bis in den Juni hinein – die hübschen, rosa-weißen Blütenstände verzaubern werden.

Vom Allheilmittel der Zisterzienser zum Schutz vor Hexen

Bereits in der Antike war Baldrian eine hochgeschätzte Arzneipflanze. Im Mittelalter galt er sogar als regelrechtes Allheilmittel, denn sein Anwendungsspektrum war damals weitaus umfangreicher als heute. In den Gärten der Zisterzienser gehörte der Baldrian fest zu den Heilkräutern, die die Mönche für die Behandlung von Kranken anbauten. In historischen Schriften wird er als wirksames Mittel gegen Gelbsucht, Asthma, Husten, Blähungen, Kopfschmerzen, Menstruations- und Verdauungsbeschwerden sowie bei schlecht heilenden Wunden genannt.
Vielleicht versprach man sich von dem durchdringenden Geruch der Wurzel – weshalb die Pflanze im Mittelalter auch häufig als „Stinkwurz“ bezeichnet wurde – sogar Schutz vor dem „Schwarzen Tod“, der Pest. Aufgrund seiner beruhigenden und krampflösenden Wirkung sprach man dem Baldrian im Mittelalter zudem eine schützende, „heilige“ Komponente zu, weshalb er auch als Marienpflanze verehrt wurde.
Neben der medizinischen Wirkung schrieb man dem Kraut im Volksglauben starke magische Kräfte zu, um das Böse abzuwehren. Ein bekannter Reim aus jener Zeit besagt:
„Baldrian, Dost und Dill, kann die Hexe nicht, wie sie will.“
Über die Haustür gehängte Baldriankränze dienten damals als sprichwörtliche „Hexendetektoren“: Bewegte sich der Kranz beim Eintreten einer Person nicht, galt diese als Hexe. Auch über den Stalltüren wurden Baldrianbüschel aufgehängt, um das Vieh vor Unheil und Krankheit zu schützen.

Heilwirkung heute

Auch wenn wir heute nicht mehr an Hexenzauber glauben: Seine medizinische Bedeutung hat der Echte Baldrian behalten. Er gilt bis heute als eines der wertvollsten pflanzlichen Beruhigungsmittel. Das Besondere an ihm ist, dass er nervöse Unruhe lindert, gleichzeitig aber die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit am Tag fördert und zudem krampflösende Eigenschaften besitzt. Ein echter Schatz in unserem Klostergarten!

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