Lavendel – Heilkraut des Monats Januar
von Gudrun Dietrich
Etwa 100! Kaum zu glauben, welche Schätze in unserem Doberaner Klostergarten der Zisterzienser zu finden sind!
Einer dieser Schätze ist Lavendel – aber wie passt dieses Kraut in die gegenwärtige Jahreszeit? Eigentlich wunderbar, denn all die kuscheligen Schals, Jacken und wolligen Pullover fühlen sich sehr wohl und geschützt durch den Duft der getrockneten Blüten. In kleinen Beutelchen oder Säckchen geben sie Insekten keine Chance, es sich an unseren Schätzen im Kleiderschrank gütlich zu tun! Die Äbtissin Hildegard von Bingen riet bereits im Mittelalter dazu, Lavendel zur Insektenabwehr einzusetzen.

Und so beschloss die Gartengruppe im Doberaner Klostergarten, im Sommer rechtzeitig an den Winter zu denken und den üppig blühenden Lavendel zu ernten, zu trocknen und zu verarbeiten. Im November, als der Garten keinen zweimaligen monatlichen Arbeitseinsatz mehr forderte, trafen sich fleißige Hände, Ideenreichtum und duftendes Trockenmaterial, um zauberhaft schöne Lavendelsäckchen herzustellen – fast zu schade, um damit nur den Inhalt von Kleiderschränken zu schützen!


Lavendel lässt an Sonne, Mittelmeer und Urlaub denken. Er verlockt dazu, mit den Händen darüberzustreichen. In unserem Klostergarten gedeiht er gut, rahmt eine Rose hinter dem Marienbeet ein und bietet dem ganz hinten stehenden Bänkchen Geborgenheit.
Obwohl er im Mittelmeerraum beheimatet ist, hat er seinen Weg bis zu uns in den Norden gefunden. Das Wissen um die Inhaltsstoffe von Lavandula angustifolia bzw. officinalis ist alt. Schon die Ägypter verwendeten das Öl zur Mumifizierung der Pharaonen. Hinweise auf diese Pflanze finden sich von den Persern bis zu den Kelten. Lavendel steht für Schönheit und Reinheit, aber auch für Schutz, Hilfe und Heilung. In der Bibel wird Lavandula spica erwähnt; mit dem daraus gewonnenen Öl salbte Maria das Haupt und die Füße von Jesus. Lavendel darf also schon aus diesem Grund in keinem Klostergarten fehlen.

Mehr als 100 wertvolle Inhaltsstoffe besitzt Lavendel. Sicher, das weiß ich, aber das leuchtende Lila, der Duft – für mich der Inbegriff von Provence, Frankreich und Sommer! Ähnlich wie beim Rosmarin muss ich ihn anfassen. Daraus hergestellte Produkte wie Tee, Salbe und Honig haben ihre Funktion, wirken antibakteriell und entzündungshemmend und helfen also auch bei Insektenstichen und Hautreizungen – aber besonders der Duft tut der Seele gut! Deshalb findet Lavendel Verwendung bei Stress, Angst- und Schlafstörungen. Die Volksheilkunde empfahl Lavendel sogar bei Verdauungsproblemen und Appetitlosigkeit. Aus all diesen Gründen ist diese wunderschöne Pflanze heute ein zugelassenes Heilmittel.
Sie ist aber nicht nur in unserem Klostergarten in Doberan, sondern inzwischen auch in vielen Hausgärten zu bewundern.
