Brombeere – Heilkraut des Monats Oktober
von Sylvia Geisel
Die Brombeere – ein kleines Wunder der Heilkraft!
Wo kommen denn diese langen Arme schon wieder her, denke ich und betrachte fasziniert aber auch etwas resigniert die frischen langen Ranken der Brombeeren. Sie strecken sich mir an der linken Garteneinfassung des Doberaner Klostergartens entgegen und rufen förmlich nach einem Einsatz der Gartenschere!
Dabei hatten wir diese stachelige Umzäunung doch gerade erst gestutzt. So werden wir uns also wieder mit Handschuhen und Scheren an die Arbeit machen müssen!

In diese Überlegungen mischt sich allerdings die Vorfreude auf den Genuss der leckeren Köstlichkeiten aus den bereits geernteten Früchten.
Da gibt es das süße Brombeermus, den aromatischen Brombeersaft und auch viele getrocknete Blätter für die Teemischungen, die im Winter an den warmen Sommer erinnern werden.
Neben den kulinarischen Gedanken nun noch allerlei Wissenswertes zu unserer stacheligen Hecke.

Herkunft und Geschichte
Die ursprüngliche Herkunft ist unklar, so wird Europa oder Nordamerika vermutet. Die Brombeere wurde wegen ihrer heilenden Wirkung schon in der Antike von Ärzten und Hebammen bei der Behandlung von Entzündungen und Verdauungsproblemen geschätzt.
Die alten Griechen nutzten Brombeerblätter bei Gicht und Mundentzündungen. Auch in der mittelalterlichen Klostermedizin spielte sie eine Rolle: Hildegard von Bingen empfahl den Saft als Mittel gegen Zahnschmerzen. In der Volksmedizin war ein Tee aus Blättern ein beliebtes Hausmittel gegen Durchfall und Halsschmerzen.
Botanik
Die Brombeere, lat. Rubus fruticosus, gehört zur Familie der Rosengewächse. Sie wächst wild an Waldrändern, Hecken und Lichtungen an sonnigen bis halbschattigen Standorten. Als Kletterpflanzen können die wintergrünen Sträucher bis zu 4 m hoch wachsen. Die Blätter sind fünf- oder siebenteilig gefiedert mit gezähnten Rändern. Der Strauch besitzt keine Dornen sondern Stacheln, die leicht abzulösen sind. Weiße bis rosafarbene Blüten leuchten von Mai bis August und locken zahlreiche Insekten an.
Die Brombeere ist keine echte Beere, sondern eine Sammelfrucht aus vielen kleinen Steinfrüchten.
Das Wort Brombeere stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet übersetzt „Beere des Dornstrauchs“ Die blaue Farbe der Beeren ist nicht zufällig – sie enthalten Anthocyane, eine Familie von Verbindungen, die antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften haben.

Verwendung in Ernährung und Naturheilkunde
Im Juli fängt die Ernte der ersten Früchte an und geht dann bis Ende September. Die tiefvioletten Früchte sind wahre Vitaminbomben. Sie enthalten viel Vitamin C, E, K und sowie Eisen, Kalium, Magnesium und sekundäre Pflanzenstoffe wie Anthocyane. Diese wirken antioxidativ und können freie Radikale im Körper binden. Von allen Beeren haben Brombeeren den höchsten Gehalt an Provitamin A, gut für die Sehkraft und das Nervenkostüm.
Brombeeren lassen sich für vielfältige Süßspeisen verwenden. Ebenso kann man sie zu Brombeermarmelade, Mus, Brombeersaft oder Gelee verarbeiten. Auch zum Einfrieren eignen sie sich gut.
Eine regionale, koffeinfreie Alternative zu dem beliebten schwarzen Tee ist fermentierter Brombeerblättertee, den man mit wenigen Schritten selbst herstellen kann und der durch seinen milden, fein-aromatischen Geschmack überzeugt.
In der Naturheilkunde haben vor allem die Blätter und Wurzeln der Brombeere ihren festen Platz. Sie enthalten Gerbstoffe, Flavonoide und etwas Vitamin C. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend, entzündungshemmend und keimtötend. Sie lindern Durchfallerkrankungen sowie Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Extrakte aus Brombeerblättern (und teilweise Früchten) enthalten reichlich Phenole, Flavonoide und Anthocyane, die in verschiedenen Testverfahren eine starke radikalfangende und antioxidative Aktivität zeigten. Regelmäßiger Verzehr von Beeren kann die Insulinresistenz verbessern.
Traditionell wird Brombeersaft zur Förderung der Blutbildung, zur Stärkung der Abwehrkräfte und bei Erkältung getrunken. Der Saft gilt als bewährtes Mittel gegen Halsschmerzen und Heiserkeit.

Die Brombeere ist nicht nur für uns Menschen eine vielseitig zu verwendende Pflanze mit Superfrüchten. Ebenso ist sie für eine Vielzahl von Tieren von großer Bedeutung als Unterschlupfmöglichkeit und reichhaltige Nahrungsquelle.
Mit diesem Bewusstsein werden wir sicher beim Einsatz der Gartenscheren ein Auge zudrücken und den Ausbreitungsversuchen unserer stacheligen Garteneinfassung genügend Raum schenken können 🙂