von Gudrun Dietrich

Der erste Gruß des Frühlings: Das Scharbockskraut im Klostergarten.

Etwa 100! Kaum zu glauben, welche Schätze in unserem Doberaner Klostergarten zu finden sind! Einer dieser eher unbeachteten Schätze ist das Scharbockskraut.

Jedes Jahr, etwa im März, beginnt die Arbeit direkt in unserem Klostergarten. In den Wintermonaten haben wir Bestandsaufnahme gemacht und nachgedacht: Welche Pflanzen wucherten zu stark, wo ist vielleicht nachzupflanzen? Wir haben die Pflanzschilder gesichtet und ausgebessert und gemeinsam überlegt, wie wir die Schätze unseres Gartens noch besser in Szene setzen können. Doch nun geht es daran, die Abdeckungen auf den Beeten zu entfernen und nachzuschauen, wie unsere Pflanzen den Winter überstanden haben.

Dem Scharbockskraut gilt dabei immer mein erster Blick: Es ist mit seinen hellgrünen Blättchen und den später folgenden, strahlend gelben Blüten ein nur wenige Wochen sichtbarer Frühlingsbote – noch vor den Blättern an Hecken und Bäumen. Es erinnert mich stets auch an meine Oma, die pflanzenkundig und belesen war. Im zeitigen Frühjahr zog sie los, um erste zarte Blätter von Brennnesseln, Löwenzahn und eben Scharbockskraut zu sammeln. Sie wollte damit der Familie neben den Vorräten aus Speisekammer und Keller frisches Vitamin C bieten. Von ihr weiß ich auch, dass Scharbockskraut für die Seeleute wichtig war im Kampf gegen Skorbut. Dieser medizinische Begriff ist im bei uns üblichen Pflanzennamen versteckt: Scharbockskraut.

Im Doberaner Klostergarten ist die Pflanze nicht nummeriert und nicht aufgelistet. Sie hat sich dort selbst angesiedelt und bildet im Frühling einen Bodendecker im Heckenbereich. Es liegt uns fern, sie zu entfernen, denn ihre Bedeutung war schon im Mittelalter bekannt. Sie wurde zur Herstellung von Salben wegen der entzündungshemmenden Wirkung, als Tee oder zur Blutreinigung nach dem Winter genutzt. Hinzu kommt, dass die sternförmigen, leuchtenden Blüten erste Nahrung für Insekten und Bienen bieten. Außerdem bildet die Pflanze gleich nach dem Austrieb Brutknöllchen, die ihr Überleben und die Weiterverbreitung nach dem Einziehen der Blätter sichern.

Nutzen sollte man nur die frischen, zartgrünen Blättchen, denn mit der Blüte sammeln sich in der Pflanze, die zur Familie der Hahnenfußgewächse gehört, Giftstoffe an, die in größeren Mengen zu unerwünschten Nebenwirkungen wie zum Beispiel Erbrechen führen können. Unbesorgt jedoch können wir den Anblick dieses Frühlingsboten in unserem Klostergarten genießen, uns freuen, dass der Garten erwacht, und schon die ersten austreibenden Vertreter unserer 100 registrierten Schätze bewundern.

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