Bautagebuch August / September

22/09/2026

Das Dach hat oberste Priorität

von Lothar W. Kroh

Fast ein halbes Jahr habe ich die Baustelle des Wirtschaftsgebäudes des Klosters Doberan nicht mehr besucht und auch nicht an den Bauberatungen teilgenommen. Natürlich sind wir alle durch die Bauberichte von Dirk Emmerich über den steten Fortgang der Arbeiten gut informiert. Dennoch war es für mich wieder einmal an der Zeit, mir selbst ein Bild von den laufenden Arbeiten zu machen – vor allem, wenn man mit etwas Abstand, quasi von außen, darauf schaut.

Arbeiten an den Arkaden und Mauerkronen
Voller Neugier betrat ich also Ende Juli die Baustelle – und siehe da: In diesem halben Jahr hat sich mächtig was getan! Dieser Eindruck entsteht vielleicht gerade dadurch, dass man nicht ständig vor Ort war.
Was ist mir nun besonders ins Auge gefallen? Wählt man den Weg zum Klostergelände durch das Wirtschaftstor, fällt der Blick als Erstes auf die noch eingerüstete Darre. Einige werden sich erinnern: Bis vor Kurzem war die Darre in einem desolaten Zustand. Ihre Wände hatten den Halt verloren, sich teilweise voneinander gelöst und aus der Senkrechten geneigt. Die Gründe dafür wurden bereits hinlänglich diskutiert. Heute steht das kleine Gebäude an der Südseite des Wirtschaftsbaus wieder sicher auf seinem Fundament. Aktuell laufen die letzten Arbeiten an der Mauerkrone, die später die Decke des Baus tragen soll.

In der aktuellen Diskussion um die Decke der Darre hat man sich – trotz teilweise noch vorhandener Gewölbefüße – gegen die Rekonstruktion eines Gewölbes entschieden. Stattdessen entsteht mit Zustimmung der Landesdenkmalpflege eine Betondecke, die schließlich das Dach der Darre tragen wird. Das spart vor allem Zeit und Kosten!
Damit sind wir direkt beim gravierendsten Problem im laufenden Bauabschnitt: den Kosten. Diese drohen aus verschiedenen Gründen aus dem Ruder zu laufen und könnten die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts weiter verzögern oder gar gefährden. In den Expertenrunden ist man sich jedoch einig: Die Fertigstellung des Daches des Wirtschaftsgebäudes ist die primäre Aufgabe dieser Sanierungsphase. Alle Beteiligten wissen um die intensiven Bemühungen – allen voran der Stadt Bad Doberan und des Vereins – für das Projekt „Neues Dach für neues Leben“. Alle anderen Sanierungsaufgaben müssen sich diesem Ziel unterordnen, damit die von der Stadt und anteilig vom Verein bereitgestellten Finanzmittel effektiv genutzt werden.

Kosten, Kosten, immer wieder Kosten
In diesem Zusammenhang könnte die Frage aufkommen: Hat der Auftragnehmer vielleicht unwirtschaftlich gearbeitet und reichen die eingeplanten Mittel deshalb nicht aus? Diese Frage lässt sich schnell beantworten: Der Grund für die Mehrkosten liegt im Auftreten unvorhergesehener Schwierigkeiten!
Nur ein Beispiel zur Veranschaulichung: Für die Herstellung der Dachkonstruktion im ersten Bauabschnitt sollten ursprünglich 11 Arkadenbögen ertüchtigt werden. Tatsächlich müssen jedoch 36 Arkadenbögen grundlegend saniert werden. Um es konkret zu machen: Die bisher teuerste Arkade schlägt mit ca. 60.000 Euro zu Buche. Gleichzeitig stellte sich bei genauen Untersuchungen heraus, dass die Mauerkronen der Arkadenbögen – trotz ihrer Sanierung in den 1990er-Jahren – das Dach der großen Halle nicht tragen können. Somit müssen neben den Arkaden auch sämtliche Mauerkronen erneuert werden.
Mir stehen noch die Bilder aus dem letzten Jahr vor Augen: die aufwendige Zerlegung der betonierten Mauerkrone an der Ostwand in einzelne Segmente, um eine sichere Basis für den neuen Ringanker zu schaffen (gleiches galt anteilig für die Darre). Das waren Aufgaben, die viel Zeit und Geld verschlungen haben, aber unverzichtbar waren. Glücklicherweise ist ein Teil der Arbeiten bereits erledigt (Darre) oder steht schrittweise vor dem Abschluss (Haupthalle). Die interne Planung sieht vor, dass die Arbeiten an den Arkaden 2027 abgeschlossen werden und der Dachaufbau voraussichtlich 2028 erfolgen kann.

Womit man bei aller exakten Planung nicht rechnen konnte, sind Umwelteinflüsse wie Starkregen, der sich direkt auf das Baugeschehen auswirkt. Nicht zum ersten Mal, aber am 19. Juli erneut, trat der Wallbach über seine Ufer. Er flutete nicht nur die Festwiese, sondern bahnte sich auch seinen Weg in die Backhalle. Dieses Problem muss von der Stadt dringend gelöst werden – was wiederum nicht ohne finanzielle Mittel funktioniert.

Aber nicht genug, dass die mittelalterliche Substanz saniert werden muss, auch die Nutzung des Wirtschaftsgebäudes in den verschiedenen Zeitepochen haben ihre Spuren im Bau hinterlassen. Eine neuzeitliche Spur betrifft den Fußboden der gewölbten Räume im südöstlichen Teil. Bei den Arbeiten zum Unterfangen einer Wand stieß man auf verklappte Rückstände, die schon beim Öffnen des Bodens „zum Himmel“ stanken (wir berichteten darüber). Die genaue Untersuchung steht noch aus, aber sicher ist, der Fußboden muss vollständig aufgenommen und erneuert werden, geschätzte Kosten: 26.000 Euro. 

Das bisher Gesagte klingt ein bisschen nach „jammern“ oder: „sorry, schneller und billiger ging‘s halt nicht“. Was man dabei aber dringend berücksichtigen muss, sind die fachlich exzellent ausgeführten Arbeiten der Sanierung mittelalterlicher Bausubstanz. Wer den Bau über die Jahre verfolgt hat wird wissen, dass kursierende Behauptungen, man würde mittelalterliche Ziegel einfach wegwerfen, jeder Grundlage entbehren. Bröselige Ziegel oder Ziegelfragmente sind nun einmal nicht für den Verbau in tragenden Wänden geeignet. Die Maurer und Zimmerleute vom Bauhof Dorsch, die gut abgestimmte und hervorragende Baubegleitung und -verantwortung durch das Architekturbüro A&P Wismar, namentlich Renee Kunz, und nicht zuletzt auch Marko Bender, der die Belange der Stadt Bad Doberan in die Entscheidungen einbringt, sind kompetente Baufachleute und keine Laien. 

Trotz aller Schwierigkeiten sind sich alle einig, wir werden den Ersten Bauabschnitt zu einem guten Abschluss bringen! 

Neues vom Innenausbau

Parallel zu den erwähnten Außenarbeiten läuft auch der Innenausbau, der zwar von außen weniger wahrgenommen werden kann, aber trotzdem zügig voranschreitet: die Treppenhäuser, die Toiletten oder die Decke im östlichen Seitenschiff der Haupthalle. Endlich konnten auch die Stahlträger für die Decke in der zukünftigen Eingangshalle eingefügt werden. Die vorläufige Planung sieht vor, dass noch in diesem Jahr die Decke im nordöstlichen Teil, also genau gegenüber des Jugendclubs, eingebaut wird. Damit verfügt das gesamte östliche Seitenschiff, einschließlich der gewölbten Räume, wieder über eine tragfähige Zwischendeckenkonstruktion. 

Schließlich möchte ich noch kurz über den Stand und die Planung des weiteren Ausbaus der Backhalle berichten. In Anwesenheit von Herrn Amelung und Herrn Baumgart, der eine Denkmalspfleger, der andere Restaurator, sind unlängst wichtige Entscheidungen getroffen worden, die die Arbeiten an der mittelalterlichen Esse betreffen. Zunächst ist festzuhalten, dass die Esse (wahlweise?) für den Rauchabzug aus der Darre als auch aus der Backhalle sorgte. Im eigentlichen Sinne ist sie deshalb eher als eine Rauchglocke anzusprechen. Die mittelalterliche Konstruktion und das Erscheinungsbild der Esse soll in jedem Falle erhalten bleiben. 

Blickt man aus der Backhalle auf die Konstruktion der Esse, sieht man unter den Putzschichten einen Entlastungsbogen aus dem 13. Jahrhundert. Ein gerader Sturz zwischen den Granitkonsolen wird im Inneren von einem Eisenanker gehalten, der schon seit Jahrhunderten seine Funktion erfüllt. Und genau hier, innerhalb der Rauchglocke, ist in neuerer Zeit (um 1890) im Zusammenhang mit der Einrichtung einer Brauerei, eine zweite Esse eingebaut worden. Die muss nun unter Beachtung des Denkmalschutzes zurückgebaut und damit die Ursprünglichkeit der Rauchglocke wieder hergestellt werden kann. Eine wahre Sisyphos-Arbeit, denn es gibt keine Baufreiheit, weil der Abbruch Stück für Stück in der Enge der Rauchglocke erfolgen muss. 

Einen weiten Punkt der Beratungen mit den Denkmalschützern betrifft die Trennwand zwischen dem südlichen, gewölbten Raum und der Backhalle. Diese Wand weist an den Rändern noch bauzeitliche Bereiche auf, ist schon im Mittelalter teilweise verändert und auch später baulich eingegriffen worden. Fest steht jetzt, dass die Wand nicht abgebrochen, sondern nach ihrem Unterfangen als Wand erhalten bleibt. Bei einem Abriss würde man zu viel mittelalterliches Bauwerk zerstören. 

Für die Arbeiten in der Backhalle, die in den kommenden Wintermonaten durchgeführt werden sollen, besteht nun Klarheit und Einvernehmen mit dem Denkmalschutz. 

Für den Baubericht Oktober November erhoffen wir uns, dass wir dann über eine positive Entscheidung hinsichtlich der sicheren Fortführung der Sanierung des Wirtschaftsgebäudes berichten können.