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Doberaner Klostertage
von Petra Wallmann
Die Vorsitzende des Klostervereins Sabine Krahn-Schulze und die Stadtpräsidentin Katy Hoffmeister begrüßten die ca. 60 Besucherinnen und Besucher, darunter Gäste aus Amelungsborn, Dargun, Pelplin und anderen Klosterstätten.

Es folgten Grußworte des Doberaner Pastors Volkmar Seyffert und zuvor des Schirmherrn der diesjährigen Klostertage, dem Präses der Kirchenkreissynode Mecklenburg, Dr. Christoph Heydemann …

Präses der Kirchenkreissynode Mecklenburg, Dr. Christoph Heydemann
Dr. habil. Ralf Lützelschwab aus Berlin hielt das Eingangsreferat: „Mütter und Töchter- das Prinzip der Filiation im Zisterzienserorden“ Dabei zeichnete er zunächst die Entstehung des Zisterzienserordens und seine rasantes Wachstum nach. Allein von der Primarabtei Clairvaux aus kam es zur Gründung von 68 Tochterklöstern noch zu Lebzeiten Bernhards (gest. 1153), insgesamt hat Clairvaux 339 Tochterklöster und bis zum Ende des Mittelalters 530 Töchter, Enkel- Urenkelklöster hervorgebracht. In den bis dahin bestehenden Orden, wie z.B. dem der Cluniazenser war das Prinzip der Filiation nicht bekannt, wurde aber in der Folge auch dort übernommen. Das Prinzip der Filiation mit dem Instrument der Visitation hat sich aufgrund der entstehenden Netzwerkstruktur als äußerst erfolgreich erwiesen: bei wirtschaftlicher Selbständigkeit jedes Klosters und in der Vielfalt regionaler Gegebenheiten und kultureller Prägungen konnte die Einheit bewahrt werden… > weiterlesen
An die Ausführungen schloss sich der Beitrag von Landesuperintendent i.R. Carl-Christian Schmidt an. Auch er setzte bei den Bestimmungen der Carta Caritatis an. Man kann davon ausgehen, dass die Äbte von Amelungsborn und Doberan regelmäßig Visitationen durchgeführt haben. Doberan war etwa 10 Tagesreisen von Amelungsborn, 28 Tagesreisen von Pelplin entfernt. Lediglich Dargun war an einem Tag zu erreichen. Leider sind die Berichte nicht erhalten. Aber aus den Beschlüssen des Generalkapitels lässt sich entnehmen, dass der Abt des Mutterklosters bei der Abtwahl in den Töchterklöstern anwesend war und die Wahl bestätigte. 1442: „15 Gemäß dem kanonischen Recht wurde Bruder Johannes VI. Vramt, ein geweihter Profess-Mönch des Klosters Doberan unseres Zisterzienserordens, rechtmäßig zum Abt des genannten Klosters Doberan gewählt und durch den Abt des Klosters Amelungsbom (Saner von Horn) im Bistum Hildesheim, Vater Abt, am sechsten Tag vor den Iden des März des Jahres 1442 bestätigt“ Aber auch Konflikte rund um die Abtwahl in Doberan und Pelplin finden ihren Niederschlag in den Statuten… > weiterlesen
Paul Alexander Nebauer berichtete über die spektakuläre Auffindung zweier bisher unbekannter Predigten des Kirchenvaters Augustin in der Diözesanbibliothek in Pelplin mit Besitzeintrag des Klosters Doberan. Es handelt sich um zwei Predigten über Saul bei der Totenbeschwörerin von Endor aus 1. Samuel 28, 3-25. Es hat zwei Jahre gedauert bis die Echtheit der beiden Predigten durch Prof. Dr. Tornau vom Zentrum für Augustin-Forschung in Würzburg und den Prof. Dr. Dorothea Weber und Prof. Dr. Clemens Weidner bestätigt wurde. Zahlreiche national und internationale Medien- insbesondere aus der katholischen Welt- berichteten in den letzten Wochen und Monaten über diesen Fund. Wir haben hier auf der Website bereits ausführlich darüber berichtet
Paul A. Nebauer wird zu dieser Entdeckung herzlich gratuliert. Klosterverein und Kirchengemeinde möchten die neu entdeckte Predigt des Augustin in einer Veranstaltung am 23. Januar, 11.00 Uhr festlich präsentieren. Es werden Gäste aus Wissenschaft, Politik und Kirche erwartet. Prof. Dr. Tornau Würzburg und Professor Andreas Müller, ein evangelischer Theologe aus Kiel haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.

Paul Nebauer, Klosterverein Bad Doberan
Nach dem Mittagessen im „Treffpunkt Suppenküche“ berichtete Altabt Eckhard Gorka aus dem Kloster Amelungsborn. Er war der 58. Abt seit der Gründung Amelungsborns 1135 vom Kloster Altenkamp aus. Im Alter von siebzig Jahren geht der Abt in Pension und verliert auch sein Stimmrecht im Konvent. 59. Abt ist seit 2025 Dr. Stephan Schaede, Vizepräsident der EKD. Heute existiert in Amelungsborn eine Pilgerherberge und ein Tagungshaus mit 40 Betten, ein Kräutergarten und Kirchenpädagogik. Geleitet wird das Kloster vom Abt und einem Konvent, der aus fünf Frauen, darunter eine Katholikin und fünf Männern besteht. Im Zentrum steht die Förderung des geistlichen Lebens in Form von Gottesdiensten und Stundengebeten. Die Zukunft von Amelungsborn scheint gesichert- die Diakonie will für ihre Fortbildungen das Tagungshaus verstärkt nutzen… > weiterlesen
Wolfgang Godglück ergänzte die Ausführungen und berichtete von der Familiaritas in Amelungsborn. Dazu gehören 40 Männer, sie sich an einem Wochenende im Monat im Kloster treffen. Sie versammeln sich dann viermal täglich zum Stundengebet und lesen gemeinsam die Bibel. Der Aufnahme geht ein etwas dreijähriges Noviziat voraus. Man könnte sagen, dass diese Wochenenden so etwas wie „Kloster auf Zeit“ bilden. Für Frauen gibt es den ökumenischen Frauenkreis, der ein ähnliches Programm hat. Die Vorsitzenden des Klostervereins, Sabine Krahn-Schulze dankte herzlich für den Besuch in Doberan und die Ausführungen.
Dann begrüßte sie Frank Hamann, den Vorsitzenden des Fördervereins Kloster-Schlosskomplex. Hamann führte durch die Geschichte des Klosters Dargun von seiner Gründung 1172 durch das Kloster Esrom über die Besiedlung durch Doberaner Mönche 1209, die Klosterauflösung, den Bau des Schlosses als Nebenresidenz, die Gründung der Ackerbauschule bis in die Nachkriegs- und Nachwendezeit. Während seines Vortrags sind Luftaufnahmen der Anlage in Dargun zu sehen…. > weiterlesen
Kc.Wincenty Pytlik berichtete aus Pelplin. Herzog Sambor II. von Pommerellen gründete 1258 ein Kloster in Pogutken als Tochterkloster Doberans. Im Jahr 1276 bezog es seinen heutigen Standort in Pelplin. Im Jahr 1289 begann der Bau der Kirche im Stil der Backsteingotik. Wegen der großen Entfernung hatte Doberan später das Visitationsrecht an das Kloster Oliwa abgegeben. Nach der Reformation übernahm der polnische König die Schirmherrschaft über die Klöster Pelplin und Oliwa. Das hatte aber den Preis, dass der König die Äbte bestimmte. Manchmal waren diese nicht einmal Mönche. Die Kirche erhielt eine reiche barocke Ausstattung. 1824 wurde infolge der Säkularisierung durch den preußischen König das Kloster Pelplin geschlossen, 14 Mönche waren noch übriggeblieben. Die Kirche wurde Kathedrale des Bistums Kulm, seit 1992 Bistum Pelplin. Im Jahr 1829 erhielt das Priesterseminar aus Kulm im ehemaligen Klostergebäude seinen neuen Sitz, später auch ein bischöfliches Gymnasium. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Teile der Gebäude zugunsten von Neubauten für das Priesterseminar abgerissen. Etwa 30 Weltpriester werden heute dort ausgebildet und pflegen auch die klösterliche Tradition des Psalmsingens und des Gebets. Wincenty Pytlik gehört den regulierten Kanonikern vom Heiligen Grab an und wird demnächst einige Wochen in der Grabeskirche in Jerusalem verbringen.
Die Vorsitzende des Klostervereins dankte beiden Referenten herzlich für ihr Kommen und ihre Beiträge. Eine Andacht von Altabt Gorka im Münster beschloss den Tag. Am Sonntag pilgerten einige unter Leitung von Pastor Volkmar Seyffert und Gemeindepädagogin Juliane Jacobsen nach Althof. Dort fand eine Andacht statt und Martin Heider informierte kenntnisreich über die Geschichte der Kapelle.

Pastor Volkmar Seyffert und Petra Wallmann, Klosterverein Bad Doberan

Kc. Wincenty Pytlik, Pelplin und Begleitung, Sabine Krahn-Schulze, Vorsitzender des Klostervereins Bad Doberan und Katy Hoffmeister, Stadtpräsidentin Bad Doberan
Bautagebuch August / September
von Lothar W. Kroh
Fast ein halbes Jahr habe ich die Baustelle des Wirtschaftsgebäudes des Klosters Doberan nicht mehr besucht und auch nicht an den Bauberatungen teilgenommen. Natürlich sind wir alle durch die Bauberichte von Dirk Emmerich über den steten Fortgang der Arbeiten gut informiert. Dennoch war es für mich wieder einmal an der Zeit, mir selbst ein Bild von den laufenden Arbeiten zu machen – vor allem, wenn man mit etwas Abstand, quasi von außen, darauf schaut.
Arbeiten an den Arkaden und Mauerkronen
Voller Neugier betrat ich also Ende Juli die Baustelle – und siehe da: In diesem halben Jahr hat sich mächtig was getan! Dieser Eindruck entsteht vielleicht gerade dadurch, dass man nicht ständig vor Ort war. Was ist mir nun besonders ins Auge gefallen? Wählt man den Weg zum Klostergelände durch das Wirtschaftstor, fällt der Blick als Erstes auf die noch eingerüstete Darre. Einige werden sich erinnern: Bis vor Kurzem war die Darre in einem desolaten Zustand. Ihre Wände hatten den Halt verloren, sich teilweise voneinander gelöst und aus der Senkrechten geneigt. Die Gründe dafür wurden bereits hinlänglich diskutiert. Heute steht das kleine Gebäude an der Südseite des Wirtschaftsbaus wieder sicher auf seinem Fundament. Aktuell laufen die letzten Arbeiten an der Mauerkrone, die später die Decke des Baus tragen soll.

In der aktuellen Diskussion um die Decke der Darre hat man sich – trotz teilweise noch vorhandener Gewölbefüße – gegen die Rekonstruktion eines Gewölbes entschieden. Stattdessen entsteht mit Zustimmung der Landesdenkmalpflege eine Betondecke, die schließlich das Dach der Darre tragen wird. Das spart vor allem Zeit und Kosten! Damit sind wir direkt beim gravierendsten Problem im laufenden Bauabschnitt: den Kosten. Diese drohen aus verschiedenen Gründen aus dem Ruder zu laufen und könnten die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts weiter verzögern oder gar gefährden. In den Expertenrunden ist man sich jedoch einig: Die Fertigstellung des Daches des Wirtschaftsgebäudes ist die primäre Aufgabe dieser Sanierungsphase. Alle Beteiligten wissen um die intensiven Bemühungen – allen voran der Stadt Bad Doberan und des Vereins – für das Projekt „Neues Dach für neues Leben“. Alle anderen Sanierungsaufgaben müssen sich diesem Ziel unterordnen, damit die von der Stadt und anteilig vom Verein bereitgestellten Finanzmittel effektiv genutzt werden.
Kosten, Kosten, immer wieder Kosten
In diesem Zusammenhang könnte die Frage aufkommen: Hat der Auftragnehmer vielleicht unwirtschaftlich gearbeitet und reichen die eingeplanten Mittel deshalb nicht aus? Diese Frage lässt sich schnell beantworten: Der Grund für die Mehrkosten liegt im Auftreten unvorhergesehener Schwierigkeiten! Nur ein Beispiel zur Veranschaulichung: Für die Herstellung der Dachkonstruktion im ersten Bauabschnitt sollten ursprünglich 11 Arkadenbögen ertüchtigt werden. Tatsächlich müssen jedoch 36 Arkadenbögen grundlegend saniert werden. Um es konkret zu machen: Die bisher teuerste Arkade schlägt mit ca. 60.000 Euro zu Buche. Gleichzeitig stellte sich bei genauen Untersuchungen heraus, dass die Mauerkronen der Arkadenbögen – trotz ihrer Sanierung in den 1990er-Jahren – das Dach der großen Halle nicht tragen können. Somit müssen neben den Arkaden auch sämtliche Mauerkronen erneuert werden.
Mir stehen noch die Bilder aus dem letzten Jahr vor Augen: die aufwendige Zerlegung der betonierten Mauerkrone an der Ostwand in einzelne Segmente, um eine sichere Basis für den neuen Ringanker zu schaffen (gleiches galt anteilig für die Darre). Das waren Aufgaben, die viel Zeit und Geld verschlungen haben, aber unverzichtbar waren. Glücklicherweise ist ein Teil der Arbeiten bereits erledigt (Darre) oder steht schrittweise vor dem Abschluss (Haupthalle). Die interne Planung sieht vor, dass die Arbeiten an den Arkaden 2027 abgeschlossen werden und der Dachaufbau voraussichtlich 2028 erfolgen kann.

Womit man bei aller exakten Planung nicht rechnen konnte, sind Umwelteinflüsse wie Starkregen, der sich direkt auf das Baugeschehen auswirkt. Nicht zum ersten Mal, aber am 19. Juli erneut, trat der Wallbach über seine Ufer. Er flutete nicht nur die Festwiese, sondern bahnte sich auch seinen Weg in die Backhalle. Dieses Problem muss von der Stadt dringend gelöst werden – was wiederum nicht ohne finanzielle Mittel funktioniert.

Aber nicht genug, dass die mittelalterliche Substanz saniert werden muss, auch die Nutzung des Wirtschaftsgebäudes in den verschiedenen Zeitepochen haben ihre Spuren im Bau hinterlassen. Eine neuzeitliche Spur betrifft den Fußboden der gewölbten Räume im südöstlichen Teil. Bei den Arbeiten zum Unterfangen einer Wand stieß man auf verklappte Rückstände, die schon beim Öffnen des Bodens „zum Himmel“ stanken (wir berichteten darüber). Die genaue Untersuchung steht noch aus, aber sicher ist, der Fußboden muss vollständig aufgenommen und erneuert werden, geschätzte Kosten: 26.000 Euro.
Das bisher Gesagte klingt ein bisschen nach „jammern“ oder: „sorry, schneller und billiger ging‘s halt nicht“. Was man dabei aber dringend berücksichtigen muss, sind die fachlich exzellent ausgeführten Arbeiten der Sanierung mittelalterlicher Bausubstanz. Wer den Bau über die Jahre verfolgt hat wird wissen, dass kursierende Behauptungen, man würde mittelalterliche Ziegel einfach wegwerfen, jeder Grundlage entbehren. Bröselige Ziegel oder Ziegelfragmente sind nun einmal nicht für den Verbau in tragenden Wänden geeignet. Die Maurer und Zimmerleute vom Bauhof Dorsch, die gut abgestimmte und hervorragende Baubegleitung und -verantwortung durch das Architekturbüro A&P Wismar, namentlich Renee Kunz, und nicht zuletzt auch Marko Bender, der die Belange der Stadt Bad Doberan in die Entscheidungen einbringt, sind kompetente Baufachleute und keine Laien.
Trotz aller Schwierigkeiten sind sich alle einig, wir werden den Ersten Bauabschnitt zu einem guten Abschluss bringen!
Neues vom Innenausbau
Parallel zu den erwähnten Außenarbeiten läuft auch der Innenausbau, der zwar von außen weniger wahrgenommen werden kann, aber trotzdem zügig voranschreitet: die Treppenhäuser, die Toiletten oder die Decke im östlichen Seitenschiff der Haupthalle. Endlich konnten auch die Stahlträger für die Decke in der zukünftigen Eingangshalle eingefügt werden. Die vorläufige Planung sieht vor, dass noch in diesem Jahr die Decke im nordöstlichen Teil, also genau gegenüber des Jugendclubs, eingebaut wird. Damit verfügt das gesamte östliche Seitenschiff, einschließlich der gewölbten Räume, wieder über eine tragfähige Zwischendeckenkonstruktion.
Schließlich möchte ich noch kurz über den Stand und die Planung des weiteren Ausbaus der Backhalle berichten. In Anwesenheit von Herrn Amelung und Herrn Baumgart, der eine Denkmalspfleger, der andere Restaurator, sind unlängst wichtige Entscheidungen getroffen worden, die die Arbeiten an der mittelalterlichen Esse betreffen. Zunächst ist festzuhalten, dass die Esse (wahlweise?) für den Rauchabzug aus der Darre als auch aus der Backhalle sorgte. Im eigentlichen Sinne ist sie deshalb eher als eine Rauchglocke anzusprechen. Die mittelalterliche Konstruktion und das Erscheinungsbild der Esse soll in jedem Falle erhalten bleiben.

Blickt man aus der Backhalle auf die Konstruktion der Esse, sieht man unter den Putzschichten einen Entlastungsbogen aus dem 13. Jahrhundert. Ein gerader Sturz zwischen den Granitkonsolen wird im Inneren von einem Eisenanker gehalten, der schon seit Jahrhunderten seine Funktion erfüllt. Und genau hier, innerhalb der Rauchglocke, ist in neuerer Zeit (um 1890) im Zusammenhang mit der Einrichtung einer Brauerei, eine zweite Esse eingebaut worden. Die muss nun unter Beachtung des Denkmalschutzes zurückgebaut und damit die Ursprünglichkeit der Rauchglocke wieder hergestellt werden kann. Eine wahre Sisyphos-Arbeit, denn es gibt keine Baufreiheit, weil der Abbruch Stück für Stück in der Enge der Rauchglocke erfolgen muss. Einen weiten Punkt der Beratungen mit den Denkmalschützern betrifft die Trennwand zwischen dem südlichen, gewölbten Raum und der Backhalle.

Diese Wand weist an den Rändern noch bauzeitliche Bereiche auf, ist schon im Mittelalter teilweise verändert und auch später baulich eingegriffen worden. Fest steht jetzt, dass die Wand nicht abgebrochen, sondern nach ihrem Unterfangen als Wand erhalten bleibt. Bei einem Abriss würde man zu viel mittelalterliches Bauwerk zerstören. Für die Arbeiten in der Backhalle, die in den kommenden Wintermonaten durchgeführt werden sollen, besteht nun Klarheit und Einvernehmen mit dem Denkmalschutz. Für den Baubericht Oktober November erhoffen wir uns, dass wir dann über eine positive Entscheidung hinsichtlich der sicheren Fortführung der Sanierung des Wirtschaftsgebäudes berichten können.
Ausstellung des Klostervereins im Möckelhaus
von Dirk Emmerich
Pünktlich zum Tag des offenen Denkmals am 13. September 2026 eröffnete unser Verein der Freunde und Förderer des Klosters Doberan e.V. eine vielseitige Sonderausstellung im Stadt- und Bädermuseum (Möckelhaus). Unter dem Titel „ORA et LABORA et LEGE“ erwartet die Besucherinnen und Besucher bis zum 19. Dezember 2026 eine faszinierende Reise durch die Geschichte, Kunst und Überlieferung der Zisterzienserkultur.
- Historische Schriften & Forschung: Im Mittelpunkt stehen wertvolle alte Schriften sowie aktuelle Forschungsergebnisse zur Mecklenburgischen Reimchronik, die tiefere Einblicke in die schriftliche Überlieferung der Region gewähren.
- Briefmarken & Numismatik: Eine reichhaltige Sammlung von Briefmarken mit Klostermotiven sowie Medaillen und Münzen rund um das Kloster Doberan zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie die Architektur und Bedeutung der Klöster im Spiegel von Postwertzeichen und Prägungen gewürdigt wurden.
- Glasmalerei & Kunst: Vier hinterleuchtete Glasmalerei-Platten setzen die Geschichte der Zisterzienser allgemeingültig und stimmungsvoll in Szene.
- Geschichte zum Anfassen & Scriptorium: Besondere Highlights für Jung und Alt sind historische Backsteine mit echten Tierspuren und Fußabdrücken aus der Bauzeit. Eine integrierte Kinderecke rund um das Scriptorium lädt junge Museumsgäste dazu ein, selbst in die Welt der mittelalterlichen Schreibstuben einzutauchen.

Die Ausstellung vereint Exponate aus den eigenen Beständen des Vereins sowie von engagierten Sammlern und Partnern. Sie richtet sich gleichermaßen an geschichtsinteressierte Besucher, Familien sowie Liebhaber von Philatelie und Numismatik.
Für alle, die noch nicht da waren: sie ist bis zum 19. Dezember geöffnet.
Anziehungspunkt Mühle am Tag des offenen Denkmals
von Martin Dostal
Am 13. September fand bundesweit der jährliche Tag des offenen Denkmals statt. Der Klosterverein Doberan war auch diesmal wieder mit dabei. Im Besucherzentrum konnten sich Interessierte das Modell des Klosters von 1552 ansehen und erklären lassen, Broschüren mitnehmen und Bücher kaufen. Anziehungspunkt war die Backhausmühle, in der sich das Mühlenrad drehte und man der Mühle beim Mahlen zusehen konnte. Mitglieder der Mühlengruppe standen Rede und Antwort, und die Kleinen probierten gleich einmal die beiden historischen Handmühlen aus. Inzwischen ist ein weiterer Bereich während der Öffnungszeiten frei zugänglich: Hier kann man sich zum Beispiel ins Gästebuch eintragen.


Der Denkmaltag stand unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur – Historische Bauten, die uns bewegen und verbinden“. Dieses Motto trifft auf vielfältige Weise auf das Kloster Doberan zu: Mit der Lage am Jakobsweg und der Via Molina, aber auch durch die Einbettung des Klosters Doberan im Filialnetz der Zisterzienser. Das Mutterkloster befindet sich in Amelungsborn, die Tochterklöster liegen in Pelplin und Dargun. Auch eine Schwester hat das Kloster Doberan: Das bereits 1145 gegründete Kloster Riddagshausen. Die Verbindung des Mutterklosters reicht zurück über Kamp und Morimond nach Cîteaux, wo im Jahre 1098 alles begann.

Der Heimatverband kürt das Kloster Doberan zum Denkmal des Monats
Der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. hat das Kloster Doberan zum Denkmal des Monats September gekürt. „Das Doberaner Münster gilt als Perle der Backsteingotik, doch hinter der weltberühmten Fassade erwacht gerade ein ganzes Klosterareal zu neuem Leben. Erfahren Sie, wie der Klosterverein mit Herzblut für den Erhalt des gewaltigen Wirtschaftsgebäudes kämpft und warum dieser Ort weit mehr ist als nur ein Museum“, begründet der Verein seine Entscheidung.
Dabei nennt er nicht nur das Münster als „sakrales Erbe von Weltrang“, sondern spricht auch Anerkennung für die Arbeit und das Wirken der Mönche aus. Dabei hebt er die Sichtbarkeit ihrer historischen Produktionstechniken hervor: „Die ‚Backhausmühle‘ mit ihrem Mahlgang zeugt ebenso von der autarken Lebensweise wie das ‚Kornhaus‘, das heute als soziokulturelles Zentrum fungiert.“ Besonders freut uns die Erwähnung unserer Vereinsarbeit – allen voran natürlich die Entdeckung der Augustinus-Predigten, aber auch die Entwicklung des Klostergartens und die Verbindung von klassischen Broschüren mit einem modernen virtuellen Rundgang als „Brücke zwischen Gestern und Heute“. Unser Engagement für den Wiederaufbau des Wirtschaftsgebäudes resümiert der Heimatverband mit den schönen Worten: „Seit einem schweren Brand im Jahr 1979 gezeichnet, setzt sich der Doberaner Klosterverein für dessen Erhalt ein. Das Ziel: Das Gebäude nicht nur einfach zu erhalten. Es soll bis 2028 ein neues Dach bekommen.
Der Doberaner Klosterverein unterstützt die Stadt bei diesem großen Vorhaben mit all seiner Kraft.“ Den gesamten Artikel gibt es > hier
Edelkastanien im Klostergarten
von Peter Masloch
Am 05.09.2026 fand rund um das Kornhaus der 5. Bad Doberaner Klimatag statt. Der diesjährige Schwerpunkt hieß „Ernährung und Umwelt“. Unter dem Motto „Klimaschutz fängt auf dem Teller an“ wurde ein abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie präsentiert.
Der Thematik konnte sich die AG Klostergarten natürlich nicht verschließen und beteiligte sich mit einem eigenen Stand. Neben der Präsentation des Gartens wurden verschiedene Erzeugnisse – hergestellt mit Pflanzen des Gartens wie Kräutersalz, Apfelsaft, Marmelade und Gelee – gegen Spenden abgegeben.
Den Höhepunkt des Tages stellte aber die Pflanzaktion von neuen Bäumen für den Obstgarten dar: 2 Esskastanien, in diesem Fall Edelkastanien, erhielten einen Standplatz zwischen Küchen- und Klostergarten.

Allen Widrigkeiten trotzend, denn die Erde war durch Regenschauer stark aufgeweicht, wurden die Befestigungsstangen montiert und die Bäume fachgerecht eingegraben.
Tatkräftige Unterstützung kam von Christin Klinger und Anja Thiel von der Stiftung Klima- und Umweltschutz MV, die zusammen mit den Aktiven der AG Klostergarten die beiden Bäume in die Erde brachten.
Naturparkranger und Obstbaumfachmann Edgar Bartel sorgte mit seinem Sachverstand für ein korrektes Einpflanzen und führte gleich den Erstschnitt der Bäume durch.

Die AG Klostergarten bedankt sich herzlich bei der Stiftung Klima- und Umweltschutz MV, die die Pflanzung der Bäume über das Förderprogramm „Loslegen mit Leuten“ gemeinsam mit Petra Gleisner finanziell ermöglichte.

Warum Edelkastanien im Obstgarten? Dafür sprechen viele Gründe:
Bereits im späten 8. Jahrhundert wurde die Edelkastanie in der „Liste der Bäume“ des „Capitulare“ genannt. Das „Capitulare de villis“ (Landgüterverordnung) diente als detaillierte Dienstanweisung zur Verwaltung und Bewirtschaftung der Krongüter Karls des Großen und sollte die Versorgung des Königshofes sichern. Die Edelkastanie wirkt dank wertvoller Nährstoffe und Gerbstoffe basisch, stärkt das Immunsystem und beruhigt den Magen. Sie liefert viel Kalium, Vitamin C und Ballaststoffe – und schmeckt nebenher auch noch gut! Vom Mittelalter bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Edelkastanie in den Bergregionen Südeuropas das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung, da sie anspruchsloser als z. B. Weizen ist. Die Edelkastanie wurde zum Baum des Jahres 2018 gewählt. Weil sie sehr anpassungsfähig ist und gut mit Wärme und trockenen Böden zurechtkommt, gilt sie mit Blick auf den Klimawandel seit einiger Zeit als Baum der Zukunft.
Der Obstgarten erhält so eine ästhetisch wertvolle und nahrungstechnisch sinnvolle Ergänzung. Einziger Nachteil: Wir werden uns bis zur Ernte der ersten Maronen etwas gedulden müssen 🙂
Alant – Heilkraut des Monats September
von Christian Grosche
Meine erste Erinnerung an den „Echten Alant“ ist noch relativ jung: Zwar beschäftige ich mich schon viele Jahre mit Botanik, aber diese Pflanze war mir nicht bekannt. Als ich Alant im Doberaner Klostergarten kennenlernte, war ich beeindruckt von der Größe von etwa zwei Metern, den gewaltigen Blättern und den schönen leuchtenden Blüten, die wie kleine Sonnen wirken.
Aus Wikipedia erfährt man, dass der Echte Alant im Deutschen eine Reihe von anderen Namen trägt, wie z. B. Altkraut, Brustalant, Darmkraut, Edelwurz, Glockenwurz, Helenenkraut, Odinskopf und Schlangenkraut, was schon andeutet, welche Heilwirkungen dieser Pflanze zugeschrieben wurden. Inula helenium wurde 1758 von Carl von Linné beschrieben.
Die Vermehrung ist einfach – man kann Alant aus Samen vermehren, aber es reicht auch aus, ein abgebrochenes Wurzelstück einzugraben. Im Folgejahr wachsen dann aus diesem Wurzelstück zuerst die Blätter und dann der Blütentrieb. Die Pflanze mag es gerne im Halbschatten mit Feuchte, obwohl sie eher im südöstlichen Mittelmeerraum und Kleinasien mit warmem, trockenem Klima heimisch ist.

Der Artname „Helenium“ der Gattung „Inula“ suggeriert einem, dass diese Pflanze etwas mit Griechenland zu tun hat: Die Griechen sind die Hellenen bzw. Griechenland ist gleich Hellas (Ελλάς). Allerdings spielt der Name eher auf Helena, Tochter des Zeus und der Leda, einer Sterblichen, an: In der Legende des Paris, Sohn des Königs Priamos von Troja, war sie die Frau von Menelaos, dem König von Sparta. Im Wettstreit, welche die schönste Göttin sei – Hera, Athene oder Aphrodite –, wählte Paris Aphrodite und gab ihr einen goldenen Apfel, woraufhin sie ihm Helena als schönste Frau der Welt versprach.
Nach einer anderen Version soll Inula helenium dort gewachsen sein, wo Helenas Tränen den Boden benetzten. Wieder eine andere Version sagt, dass sich der Name der Pflanze von einer griechischen Vegetationsgöttin, der Helénē, herleitet.
Der Echte Alant gehört zu der Pflanzenfamilie der Korbblütler oder Asteraceae. Diese Familie umfasst etwa 1.600 bis 1.700 Gattungen mit etwa 24.000 bis 30.000 Arten. Sie ist somit die Pflanzenfamilie mit den meisten Arten, gefolgt von den Orchideengewächsen mit etwas weniger Gattungen und Arten. Die Gattung Inula umfasst etwa 100 Arten, von denen einige auch in Deutschland wachsen, z. B. der Wiesen-Alant (Inula britannica) in Feuchtwiesen, der Weiden-Alant (Inula salicina) und der Behaarte Alant (Inula hirta) auf Trockenwiesen auf eher kalkhaltigen Böden.
Erkennen kann man den Echten Alant einmal an seiner Größe (etwa 2 Meter, die anderen Arten in Deutschland sind nur etwa bis 50 cm groß), den großen Blättern (Länge 40 bis 80 cm) und an einem Stängel, von dem ein reichhaltiger Blütenstand abgeht. Die Blüten selbst haben die typische Form der Korbblütler wie Echinacea, Sonnenhut, Sonnenblumen oder Topinambur. Die Strahlen der Außenblüten sind relativ dünn und gelb und umfassen die eigentlichen fruchtbaren Blüten in Form eines Körbchens. Die Pflanze blüht von Juni bis September, ist also eine Sommerblühpflanze.

Die Wurzel des Alant (Droge: Helenii radix bzw. Helenii rhizoma, der Alantwurzelstock) ist das relevanteste Heil- und Gewürzmittel. Sie ist ausdauernd, dick fleischig, riecht aromatisch und enthält u. a. Inulin, ein Kohlenhydrat, das heutzutage als präbiotischer Zusatzstoff Verwendung findet.
Des Weiteren enthält die Droge eine Reihe von ätherischen Ölen und Bitterstoffen. Früher fand die Wurzel aufgrund ihres bitteren, harzigen Geschmacks Verwendung als Gewürz für Süßspeisen und Magenbitter. Kandierter Alant galt lange Zeit als Leckerbissen. Da viele Menschen auf Alant mit Allergien reagieren, findet Alant in dieser Form jedoch fast nur noch in Likören Verwendung. Die Alantwurzel ergibt mit Pottasche und Urin einen blauen Farbstoff.
Bei antiken Ärzten wurde „Helenion“ gegen Husten, Krämpfe und Magenschwäche empfohlen und sollte auch bei Blutspucken helfen. Im slawischen Sprachraum wurde Alant als Hustenmittel genutzt. In der mittelalterlichen Heilkunde und in der Volksmedizin war Alant bzw. die „Alantwurz“ ebenfalls sehr beliebt und wurde bei Leiden wie Bronchialkatarrhen, Husten, Blähungen, Harnverhalten, Magen-Darm-Beschwerden, Gelbsucht und Würmern verwendet.
Eine Salbe aus Alantwurzel und Schweineschmalz wurde äußerlich gegen Krätze, Geschwüre und Ekzeme benutzt. Wunden und Geschwüre können mit frischen Alantblättern behandelt werden. In Siebenbürgen und im Spreewald wurde der Alant bei Brustbeschwerden wie Tabak geraucht. In Moldawien wurde Alant bei Brustschmerzen, Husten und Atemnot verwendet.

Jedoch sieht man das heutzutage anders: Laut der Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA) können die enthaltenen Öle und Bitterstoffe zu allergischen Reaktionen, Überempfindlichkeiten und Kreuzreaktionen mit anderen Drogen führen; somit können größere Mengen Erbrechen, Durchfall, Krämpfe und Lähmungen zur Folge haben. Außerdem ist die medizinische Wirkung der Droge, i. e. Helenii radix, nicht ausreichend belegt.
Das BGA bewertete insgesamt den medizinischen Nutzen von Alantwurzel 1988 als negativ.
Nebenbei bemerkt: Es ist in der Botanik allgemein bekannt, dass ätherische Öle und Bitterstoffe als Abwehrmechanismen gegen Fressfeinde dienen. Nur in bestimmten Fällen sind sie in korrekter Dosierung verträglich und wirksam, und das auch nicht für alle Menschen. Ein anderes bekanntes Beispiel dafür sind die Fingerhutpräparate (Droge: Digitalisglykoside u. a. Digitoxin vom Roten Fingerhut: Digitalis purpurea; Digoxin aus dem Wolligen Fingerhut: Digitalis lanata), die früher gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt wurden, aber ansonsten hochgiftig sind (Zwei Blätter ergeben oral aufgenommen eine tödliche Dosis).
Zum Ende des Sommers können wir vielleicht noch einige Alantblüten im Doberaner Klostergarten oder die Samenkapseln bewundern – die Hauptblütezeit ist leider vorbei.
Noch mehr Informationen / Beiträge / Fotos aus dem Leben des Klostervereins der letzten Wochen gibt es im > Klosterblog Der Klosterblog wird regelmäßig aktualisiert, es lohnt sich also immer einmal auf unsere > Vereinsseite zu schauen, man muss nicht unbedingt den Newsletter abwarten, um zu wissen, was uns im Verein zu umtreibt.
Ausblick
- 19. November Vortrag: „Slawen gegen Sachsen? Konflikte im Kloster Doberan des 14. Jahrhunderts im Kontext“
- 19. Dezember Weihnachten in der Klostervogtei
- 23. Januar Festliche Präsentation neuentdeckter Augustiner-Schriften
Ein Überblick über alle aktuellen Veranstaltungen gibt es auch auf unserer Website. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher und ihr Interesse! Vielen Dank!!